Die EU-Spitzenpolitiker kennen seit der britischen Absage an den Brüssler Moloch wohl kein größeres Feindbild als die direkte Demokratie. Kein Wunder, dass sich Juncker, Schulz und Co. daher am liebsten selbst über die gewählten Vertreter der Völker hinwegsetzen wollen, wenn es um ihre Zielvorstellungen des europäischen Superstaates geht. Willfährige Helfer finden die Technokraten der Politik in den Schreiberlingen der systemtreuen Presse. So bezeichnete etwa der Chefredakteur des deutschen Nachrichtenmagazins „Focus“ die Entscheidung der 33 Millionen Briten als „undemokratisch“, und eine Kolumnistin der linken Hamburger „Zeit“ lamentierte: „Große Politik kann und darf nicht am Stammtisch entschieden werden“.

Es war also die übliche Reaktion der „Superdemokraten“, die immer dann, wenn der Wähler anders entscheidet als es ihrem gutmenschlichen Weltbild entspricht, sofort von der mangelnden demokratischen Reife faseln. Sie unterstellen somit dem Volk generell mangelnde Intelligenz, weshalb dieses auch nicht über Sachfragen abstimmen dürfe. Die Präpotenz und demokratiefeindliche Haltung, die darin zu erkennen ist, bleibt aber dank der gleichgeschalteten Medien leider vielen verborgen. Wenn dann von den Alt-68ern noch einmal auf die Waffe des Generationenkonflikts zurückgegriffen wird, dann bekommt die ganze Sache jedoch wirklich skurrile Züge: Denn wenn sie behaupten, die Jugend in Britannien hätte für Europa (sie meinen damit natürlich bloß die EU) gestimmt und die Alten hätten sie hinausgeschossen, verschweigen sie nämlich, das bloß etwa 35 % der jungen Wahlberechtigten am Votum teilgenommen haben, hingegen 70 % der älteren Briten.

Erschwerend kommt hinzu, dass auch viele Studenten und sogenannte bildungsnahe Jungwähler nicht abgestimmt haben, weshalb man sich nämlich auch nicht auf die „Dummen“ ausreden kann. All jenen, die meinen, zuviel Demokratie schade Europa, sei gesagt, dass das genaue Gegenteil der Fall ist. Gerade weil die Völker entmündigt werden - zugunsten einer konzerngesteuerten Technokratie in Brüssel – haben die Briten nein gesagt.

 

[Text: H. W.; Bild: ZZ-Archiv]