Kein europäisches Land ist bei angeblich minderjährigen Flüchtlingen so beliebt wie Schweden. Insgesamt 35.250 Jugendliche stellten letztes Jahr einen Asylantrag in dem nordischen Land, zehnmal mehr als 2013 und fünfmal mehr als 2014. Seit 2011 wurden in Summe 50.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Schweden registriert.

Bei der schwedischen Migrationsbehörde herrscht allerdings Skepsis. Der Großteil der aus Afghanistan, Syrien, dem Irak, Somalia und Eritrea stammenden angeblichen Flüchtlinge hat keinerlei Identitätspapiere bei sich – und so müssen sich die Behörden auf die Angaben der Asylanten verlassen, die aufgrund besserer Unterbringung und größerer Chancen, Asyl zu erhalten, regelmäßig ihr Alter mit unter 18 Jahren angeben.

Als das Migrationsamt verschiedentlich den Altersangaben der angeblichen Minderjährigen nicht glaubte und sie als Erwachsene registrierte, wurde es von der Justiz gerügt. Denn man müsse im Zweifel, so die Richtlinien, den Betroffenen glauben, zumal man in Schweden von der medizinischen Altersbestimmung mit Zahn- oder Skelettröntgen nicht viel hält. Dadurch sind aber in den letzten Jahren die Kosten für die Aufnahme Minderjähriger gestiegen und werden in den nächsten Jahren fast die Hälfte der Ausgaben für Migrations- und Integrationsmaßnahmen verschlingen. Viele Gemeinden vermuten, dass in ihren für Kinder reservierten Asylheimen viele Volljährige wohnen und die knappen sowie sehr teuren Plätze blockieren. Insgesamt vermutet man, dass fast 70 Prozent der Minderjährigen eigentlich volljährig sind.

Der Argwohn des Migrationsamtes scheint jedoch durchaus berechtigt. 2014 unterzog man in Norwegen drei Viertel der angeblich Minderjährigen einer Untersuchung und stellte fest, dass jeder Dritte bei der Angabe des Alters gelogen hatte. Ähnliche Ergebnisse ergaben auch Kontrollen in Großbritannien, Dänemark und Finnland. Seit Norwegen Alterskontrollen bei der Einreise einführte, ging die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge stark zurück.

Nun hat auch die rot-grüne Regierung in Schweden ihre Meinung geändert. Justizminister Morgan Johansson gab nun bekannt, dass das Amt für Rechtsmedizin so schnell wie möglich mit der Altersbestimmung von mehr als 18.000 jugendlichen Asylbewerbern beginnen solle. „Es ist höchste Zeit, Ordnung ins System zu bringen“, sagte Johansson.

 

[Text: M. H.; Bild: ortodoncia.ws/wikimedia.org]