Auch in der Schweiz genießen minderjährige unbegleitete Asylwerber einen Sonderstatus. Für sie gibt es etwa eine besondere Betreuung, zudem ist ihre Abschiebung wesentlich schwieriger als bei Erwachsenen. Auch fungieren viele Minderjährige als „Ankerkinder“, um den Rest der (meist recht großen) Familie nachzuholen. Somit überrascht es nicht, dass viele angeblich minderjährige Asylwerber die Behörden über ihr tatsächliches Alter belügen.

Mit dieser Form des Asylmissbrauchs räumt nun die Schweiz auf. Wie die „NZZ am Sonntag“ berichtete, werden nun in der Eidgenossenschaft flächendeckend medizinisch-forensische Tests eingeführt. Dabei handelt es sich um die sogenannte Drei-Säulen-Methode, bei der das Handgelenk, die Zähne und das Schlüsselbein von Asylwerben geröntgt werden, die behaupten, minderjährig zu sein. Lau Eva Scheurer vom Institut für Rechtsmedizin Basel ist dieser Test „die derzeit beste Methode zur Altersschätzung von jungen Menschen“.

Kritik an den neuen Tests kommt von Organisationen der Asylindustrie wie Amnesty International oder der Schweizer Flüchtlingshilfe. Sie behaupten, die Röntgentests seien nicht kindgerecht und nicht grundrechtskonform. Peter Meier, Sprecher der Schweizer Flüchtlingshilfe, will „entwicklungspsychologische Abklärungen“ durch Fachleute der Drei-Säulen-Methode vorziehen. Dies würde allerdings wesentlich länger dauern als die Aufnahme der drei Röntgenbilder und wäre zudem wesentlich fehleranfälliger.

In der Schweiz wird für das Jahr 2018 mit etwa 420 unbegleiteten Minderjährigen gerechnet, was 2,7 Prozent aller Asylwerber entspricht. Und im Testzentrum des Bundes in Zürich, wo die Drei-Säulen-Methode bereits angewandt wird, konnten 40 Prozent der angeblich minderjährigen Asylwerber der Lüge überführt werden, indem ihre Volljährigkeit nachgewiesen wurde.

[Text: B.T.; Bild: Wikipedia/Hellerhoff; Lizenz: CC BY-SA 3.0]