Es ist heute nun zehn Jahre her, dass Sie beim Bundesparteitag der FPÖ im Jahre 2005 zum Bundesparteiobmann gewählt wurden. Das war in einer sehr bewegten und spannenden Zeit für die Freiheitlichen. Wie haben Sie diese Phase damals erlebt?

Heinz-Christian Strache: Natürlich war die Zeit davor eine sehr bewegte und kritische Phase, weil es ja von Knittelfeld weg diesen Selbstauflösungs- und Erosionsprozeß gegeben hat, von der damaligen Parteispitze selbst ausgelöst. Höhepunkt war, dass man der Öffentlichkeit im Rahmen eine Pressekonferenz mitgeteilt hat, eine neue Partei, also das BZÖ, zu gründen. Wir haben am Tag dieser Pressekonferenz sofort alle Landesgruppen angerufen, uns mit den Führungsspitzen der Länder zusammengesetzt und sofort versucht sicherzustellen, dass dieser Mordversuch an der FPÖ nicht gelingen kann. Wir haben binnen kürzester Zeit sechs Bundesländer auf unserer Seite gehabt. Oberösterreich hat sich ja leider damals abgespalten, auch Vorarlberg, Kärnten sowieso. Salzburg (Anm.d.Red.: Bundesparteitag am 23. April 2005) war sozusagen der Startpunkt für den Neubeginn der FPÖ.

Ab diesem Tag habe ich dann versucht, die Landesgruppen zurückzugewinnen, was im Falle Oberösterreichs und Vorarlbergs auch gelungen ist. Spiegelverkehrt war die Situation in Kärnten, wo es lange gedauert hat, die Freiheitlichen wieder unter das gemeinsame Dach zu führen. Den Abschluss dieser Wiedervereinigung werden wir auch im kommenden Jahr auf einem Bundesparteitag sicherstellen. Wenn man die zehn Jahre zurückverfolgt und Revue passieren lässt: Es hat uns damals niemand mehr etwas zugetraut. Der Schlüssel war dann die Wiener Wahl 2005. Dort hat man gesehen hat, was möglich ist. In nur zehn Jahren von drei Prozent in den Umfragen bis heute teilweise bis zu 30 Prozent in den Umfragen zu kommen, zeigt deutlich, was uns hier gelungen ist. Jetzt ist das erste Jahrzehnt abgeschlossen und wir gehen in das zweite und werden Geschichte schreiben.

 

Waren Sie selbst in dieser damaligen Phase überzeugt, dass das gelingen wird oder waren Sie verunsichert durch den Abgang von Jörg Haider, wo alle Mandatare bis auf zwei weg waren, wo die Regierung weg war?

Strache: Also, ich war felsenfest davon überzeugt, dass das nicht nur gelingen kann, sondern auch gelingen wird. Diese felsenfesten Überzeugung habe ich von Beginn an immer gehabt, weil mir immer klar war: die Personen, die vorher für die FPÖ tätig waren, haben diese Fehler begangen und haben die Marke unglaubwürdiger gemacht. Mir war immer bewußt, wenn man zurückkehrt zu den Kernthemen, wird das funktionieren. Die Vorgänger haben aus der „FPÖ classic“ eine „FPÖ light“ gemacht und ich habe sozusagen wieder die „FPÖ classic“ belebt. Das ist so wie bei „Coca Cola“und bei „Coca Cola light“: Die Leute trinken auch lieber das klassische. Das war ja auch die Streitfrage vor der Spaltung, was ich auch innerhalb des Bundesvorstandes immer wieder andiskutiert habe, wobei ich aber leider kein Gehör fand. Mit dieser festen Überzeugung habe ich auch die Inhalte wieder belebt und mir war bewußt, wir werden es schaffen. Es war kein leichter Weg, es wurden uns viele Steine in den Weg gelegt, nicht nur Steine, sondern ganze Felsbrocken. Es hat ja auch viele persönliche Enttäuschungen gegeben, aber natürlich auch einen Reifungsprozess aus der Überzeugung heraus, denn ich war der jüngste Parteichef in der Geschichte, der da in Salzburg gewählt wurde. Ich war jünger als Haider und ich war jünger als Steger, ein paar Monate zumindest oder ein halbes Jahr. Natürlich ist man da keine ausgereifte Persönlichkeit und natürlich heißt das, du springst ins Wasser und es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder du gehst unter oder du lernst schwimmen und behauptest dich. Zum Glück ist letzteres gelungen und dadurch entsteht dann ein Entwicklungsprozess, ein Reifungsprozess, gelassener zu werden, ruhiger zu werden, fokussierter, bewusster gewisse Dinge anzugehen, aber natürlich auch die jugendliche Emotionalität mit der Zeit auch besser kanalisieren zu können. Ich glaube, das ist auch ganz gut erfolgt. Ich bin sehr stolz darauf, was uns da in den letzten zehn Jahren gelungen ist, das ist eine wirkliche Erfolgsgeschichte.

 

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