Wir alle kennen die unglückliche Rolle des Jörg Haider, der damals mit seiner Parteigründung die Turbulenzen losgetreten hat. Wie sehen Sie die Rolle von Wolfgang Schüssel bei der ganzen Geschichte?

Strache: Ich habe immer gesagt, dass der eigentliche „Pate“ Wolfgang Schüssel war. Es hat immer die Bewertung Schüssels gegeben, dass er ein Spieler sei und das in der Politik auch lebe, dass er nach dem Motto „alles oder nichts“ wie ein Pokerspieler agiere. Etwas, was er ja auch getan hat, indem er sehr geschickt vormals die Führungsspitze zum Teil zu sich hinübergezogen hat und schon 2002 sichtbar geworden ist, dass die Führungsspitze der FPÖ, die nach Knittelfeld zurückgetreten ist, mehr Nähe zu Schüssel und seinem Umfeld hatte als zur eigenen Parteibasis.

Anstatt mit dem Partner immer anständig und korrekt umzugehen, hat er es lieber darauf ankommen lassen, beim Platzen der Regierung alles auf eine Karte zu setzen, um stärkste politische Kraft zu werden. Diese Rechnung ist kurzfristig aufgegangen, aber nachhaltig war es natürlich ein Riesenschaden, jetzt gar nicht nur für die FPÖ, sondern auch und vor allem für’s Land. So geht man mit einem Partner erstens nicht um, zweitens hat man damit natürlich eine mögliche gute Koalitionsarbeit und Reformarbeit verunmöglicht und in Wahrheit damit dem politischen Mitbewerber, in dem Fall dem linken Rand und der Sozialdemokratie Auftrieb gegeben.

So gesehen bin ich froh, dass wir den politischen Mordanschlag, der von Schüssel gelenkt wurde, überstanden haben. Wir haben ja 2005 nur mehr einen Abgeordneten gehabt, dann kurzfristig zwei und sind 2006 wieder auf bundesweit auf elf Prozent gewachsen und haben uns dann im direkten Duell gegen Haider durchgesetzt. 2008, als Haider ein beachtliches Ergebnis erzielen konnte, konnten wir Freiheitlichen wieder sieben Prozent zulegen und kamen wieder deutlich vor dem BZÖ zu liegen. Auch im direkten Duell waren wir mit einer neu positionierten FPÖ erfolgreicher und hatten dann auch in der letzten Auseinandersetzung 2013 mit neuen Konkurrenten wie NEOS und Stronach zu tun gehabt, konnten noch einmal einen Zugewinn machen. Das zeigt, welche Potentiale wir haben und was da in Zukunft noch alles drinnen ist. Ich sage, wir haben unser Potential noch lange nicht ausgeschöpft, wiewohl wir schon wieder historische Dimensionen erreicht haben.

 

Kritiker haben vor allem in dieser Anfangsphase, wo es in der FPÖ wieder gut zu laufen begonnen hat, abwertend gemeint, die FPÖ wäre ein Abklatsch oder eine Kopie von Jörg Haider. Diese Kritiker haben dieser Tage, wenn man sich nun die Medien so anschaut, zugeben müssen, dass Sie aus dem Schatten Jörg Haiders längst herausgetreten sind. Zwei Fragen dazu: Kränkt - oder hat - Sie das persönlich gekränkt, dieser abwertende Vergleich, bzw. ist das eine Genugtuung, dass diese Kritiker das zugeben müssen?

Strache: Grundsätzlich ist einmal ein Vergleich nie beleidigend, sondern im Gegenteil, denn Jörg Haider war natürlich eine großartige Persönlichkeit. Er war einer, der begonnen hat, als politischer Eisbrecher dieses rot-schwarze, festgefahrene Parteiensystem in Österreich aufzubrechen. Es ist ihm nur leider nicht nachhaltig gelungen. Wir sind jetzt sozusagen der zweite Eisbrecher, der vorhat, das kontinuierlich und nachhaltig zur Umsetzung zu bringen. Aber natürlich, ich bin eine völlig andere Persönlichkeiten als Jörg Haider und habe auch ganz andere Stärken und Schwächen als er. Ich bin ein sehr strukturierter Mensch, ich war im Internat und habe da ja sehr früh auch Ordnung und Struktur mitbekommen, habe auch im Leistungssport sehr viel Erfolg erzielt, habe daher auch Höhen und Tiefen leben gelernt, habe mit Sieg und Niederlagen leben gelernt, aber auch mit Kontinuität sozusagen. Als Schachspieler, ich war ja zweiter von Wien in der Schülerliga, bin ich grundsätzlich strukturierter. Man kann vielleicht sagen: „Den Strache, den kann man besser erfassen, weil er strukturiert vorgeht.“ Während eben Haider sicherlich andere Verhaltensmuster hatte. Er hat vieles delegiert an sein Umfeld, er hat seine Quereinsteiger gehabt, die schwer nachvollziehbar waren, er ist oft Konflikten aus dem Weg gegangen, hat andere diese Konflikte für sich führen lassen.

Ich versuche, gemeinschaftlich als Parteiobmann meine Verantwortung zu leben, fast schon wie ein Familienvater, wie ein Bruder, aber schon auch mit der Konsequenz, wenn Fehler passieren, dass man diese Fehler ansprechen muß, auch Optimierungen schaffen muß und notfalls man auch Streit nicht aus dem Weg gehen darf. Das aber immer mit einer kollegialen Vorgangsweise, das ist mir wichtig! Da schicke ich niemand anderen vor, sondern suche selbst, das zu regeln und da unterscheidet mich sicherlich die Persönlichkeit vom anderen.

Ich habe sicherlich eine sehr hohe soziale Intelligenz, die mir zur Seite steht und bin – so wie er – das ist vielleicht das gemeinsame Element – mir nicht zu schade, rund um die Uhr unterwegs zu sein, zu den Menschen zu gehen, auf die Bürger zuzugehen. Bei strategischen Zugängen oder auch persönlichen Führungsmustern, da sind wir sicherlich sehr unterschiedlich.

 

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