Sie haben vorhin gemeint, aus Fehlern lernen zu können, sei wichtig. Im historischen Rückblick der endenden Ära Haiders und der entsprechende Wenderegierung im Jahr 2000 sind sicherlich viele Fehler unterlaufen. Welche sehen Sie als gravierendste an, bzw. was kann man für die freiheitliche Zukunft daraus ziehen?

Strache: Darüber kann man trefflich philosophieren. Denn auf den pragmatischen Kern heruntergebrochen, hat es drei klar erkennbare Fehler gegeben, die man nicht wiederholen darf. Wir haben schon insgesamt drei Regierungsbeteiligungen gehabt. Die erste war mit der Sozialdemokratie von 83 bis 86, die ja durch die Abwahl Stegers und den neuen Obmann Haider von Seiten der Sozialdemokratie und Vranitzky gekappt wurde. Da hat es keine Sanktionen gegeben, zumindest die drei Jahre, was zeigt, wenn man mit der Sozialdemokratie in eine Zusammenarbeitsform geht, dann gibt es keine Diffamierung. Später war es dann die so genannte „Wendekoalition“ mit der ÖVP, einmal 2000, das zweitemal 2003, wo wir die unseligen Sanktionen erleben mussten. Was ist sichtbar geworden? Zunächst, dass man als stärkere politische Kraft der schwächeren nicht den Kanzler geben darf.

Sichtbar geworden ist auch, dass man bei seinen Kernthemenbereichen, jenen Inhalten, für die man ja gestärkt wird von seinem Wähler, der ein „Hoffnungswähler“ ist, diese dann auch in einem Regierungsprogramm durchzusetzen muss und desweiteren natürlich auch in der Regierungsarbeit. Das heißt, da ist es wichtig, konsequent auf Inhalten draufzubleiben, die im Regierungsvertrag zu stehen haben, auch mit entsprechenden Gesetzesvorhaben und zeitlichen Fristen, damit der Koalitionspartner nicht rauskommt. Das ist damals nicht passiert und war auch ein wesentlicher Grund, warum das damals gescheitert ist.

Dann natürlich auch das Personelle! Die personalpolitische Vorbereitung auf so eine Regierungsbeteiligung, muss man natürlich strategisch angehen – mit Persönlichkeiten aus unterschiedlichsten Fachbereichen, die man dann nicht nur als Minister wiederfindet, sondern auch in den Kabinetten, bei den Mitarbeiterstrukturen, bei den Fachreferenten, damit das ganze auch ein Rückgrat hat, auf das man sich eingespielter Weise auch verlassen kann.

Diese drei Ebenen haben sicherlich leider nicht optimal funktioniert. Das war ein wesentlicher Mitgrund, warum das so gescheitert ist, neben persönlichen und egozentrischen Befindlichkeiten auch in der Führungsmannschaft, weil man das Ganze nicht kameradschaftlich, freundschaftlich, kollegial wachsen hat lassen. Grundsatz für die Partei sollte es ja sein, für die Sache gemeinschaftlich, organisch, aufgrund von Leistung, von Verläßlichkeit Mitstreiter wachsen zu lassen und nicht irgendwelche Leute künstlich irgendwo reinzupflanzen.

Das war früher auch der Fall und hat eher zu Missstimmung geführt, hat eher dazu geführt, dass man teilweise nicht gerne gekommen ist, weil man erlebt hat, dass es Hackelwerfer gegeben hat, oder Leute, die hinterrücks schlecht über einen gesprochen haben. Heute kommen die Leute gerne, heute kommen sie mit Idealismus, mit Freude, haben auch wirkliche persönliche Freundschaften und sind auch gerne nach der Arbeitszeit beisammen. Das sind wesentliche Facetten, die man in Betracht ziehen muss.

Dann kommt man zur grundsätzlichen Frage: Ist man überhaupt bereit, als Schwächerer wieder in eine Regierungsverantwortung zu gehen? Oder sagen wir „Alles oder nichts!“, um alles auf eine Karte zu setzen und wirklich stärkste Kraft in den Ländern und auch auf Bundesebene zu werden und dann aus der Position der Stärke heraus uns tatsächlich durchsetzen zu können? Diese zwei Zugänge gibt es. Wir sind heute auf einer Ebene, wo wir den Anspruch stellen, stärkste Kraft zu werden – und wir nicht zurückziehen dürfen!

 

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