Durch die Stärke der Freiheitlichen versuchen die Gegner immer öfter, mit der Faschismuskeule zuzuschlagen, und gleichzeitig eine Spirale des Totschweigens loszutreten. Wie kann man das durchbrechen?

Strache: Wir haben in den letzten zehn Jahren – die gesamte FPÖ und die gesamte Führungsmannschaft bis hinunter zur Basis – sehr, sehr deutlich gemacht und gemeinsam bewiesen, dass diese Faschismuskeule, die ja strategisch bewußt zum Einsatz kommt, keine Berechtigung hat und dass wir sehr, sehr deutlich und nicht einmal sondern in den letzten zehn Jahren zum Ausdruck gebracht haben, dass Antisemitismus, Extremismus – gleich von welcher Seite – Faschismus, Nationalsozialismus oder der neue Faschismus, der Islamismus, bei uns nicht nur keinen Platz haben, sondern auch auf völlige Ablehnung stoßen. Diese Unterstellungen in dieser Richtung gegenüber uns entbehren einfach jeder Grundlage und daher erkennen auch die Menschen, dass das eine schäbige Diffamierung Denunzierung von politischen Mitbewerbern ist. Ich glaube, durch diesen konsequenten Umgang sowie der konsequenten Positionierung greift natürlich diese Faschismuskeule nicht. Im Gegenteil: Sie wird oftmals zum Boomerang jener, die sie zum Einsatz bringen, zumal das die Bürger wirklich schon satt haben.

 

Ein weiteres- vermeintliches – Mittel gegen die Freiheitlichen ist, das Totschweigen ...

Strache: Ich denke, da kommt uns die moderne Kommunikation entgegen. Zum Glück gibt es diese Möglichkeiten wie etwa über Facebook, Youtoube etc, wo wir es geschafft haben, den „Cordon Sanitaire“ der Ausgrenzung, bzw. oftmals einseitige Berichterstattung zu durchbrechen. Natürlich erreicht man damit nicht alle Österreicher, aber wir erreichen damit drei Millionen im Monat und das hat die Kraft, wenn man so will, einer Kronenzeitung pro Tag auf ein Monat umgelegt und da findet große Verbreitung statt. Da können wir abseits der Zensur unsere Positionen sehr klar darlegen und auch schnell reagieren, wodurch die Medien auch oftmals nicht umhin kommen, das eine oder andere aufgreifen zu müssen. So gesehen ist das natürlich ein ganz starkes Element, das ich auch als erster politischer Verantwortungsträger in Österreich eingesetzt habe. Ich habe ja 2008/2009 damit begonnen, heute sind wir bei etwa 230.000 Usern, die auf meiner Facebook-Seite sind.

Gleichzeitig kann man – überspitzt formuliert – sagen, ich kenne fast jeden freiheitlichen Wähler persönlich. Ich bin eben oft unterwegs und erlebe immer wieder diese wundervollen Situationen, bei denen man Menschen kennenlernt, mit denen dann ins Gespräch kommt, die dann eigentlich nach einer recht kurzen Zeit sagen: „Hörn’s, Sie sind ja eigentlich recht sympathisch! Ganz anders, als die falsche Bilder, die über Sie gebaut werden.“

Auf jeden Fall ist es eine Mischung aus viel direktem Austausch mit den Menschen, aus moderner Kommunikation, und eben kontinuierlicher Tätigkeit und Vorgehensweise. Wir sind ja auch die fleißigste Partei im Parlament mit den meisten Anträgen und Anfragen, auch wenn wir das oft nicht in der Medienlandschaft wieder finden. Aber es wird wahrgenommen, weil die Menschen sich ja selber auch informieren können.

Ich sage: Ja, diese Kraft, die wir leben, die ist authentisch. Das nehmen die Menschen auch wahr. Die Authentizität ist da sicherlich ein ganz ein wesentlicher Faktor auch unseres Erfolges. So durchbrechen wir das.

 

Abschließend noch eine persönliche Frage: Woher nimmt man die Kraft, das persönlich so durchzustehen?

Strache: Das ist ein innerer Antrieb, ich sehe das, was ich mache als Berufung, die mir große Freude macht. Natürlich gibt es da auch Situationen, bei denen man psychisch und physisch an Grenzen geht: In Wahlkämpfen, wo man Tag und Nacht unterwegs ist, wo man auch Schlafdefizite hat, wo man natürlich auch an seine Grenzen kommt. Aber ich bin halt wie ein Leistungssportler, der weiß, es gibt jetzt das Ziel des Wahltages und bis dahin bringt man seine volle Leistung und muss seine Kraft auch entsprechend einteilen. Natürlich muss man dazwischen auch Sport machen, drei- viermal die Woche, dazwischen auch auf die eigene Psychohygiene achten, Zeit nehmen für die Familie, die Kinder, für Freunde, auch einmal zu blödeln – was ja gerade in einer politisch verantwortungsvollen Position nicht immer leicht ist. Man ist ja auch immer öffentlich! Aber ich versuche immer, der Mensch zu sein und zu bleiben, der ich bin: mit beiden Beinen am Boden.

Das sind halt diese Mechanismen, diese Spannungsfelder, denen man immer ausgesetzt ist und begegnet. Irgendwann lernt man nach zehn Jahren professioneller damit umzugehen. Die ersten Jahre habe ich geglaubt, alles selbst machen zu müssen, mittlerweile weiß ich, mit verlässlichen Mitstreitern an meiner Seite auch Aufgaben besser aufzuteilen.

Wichtig ist, dass wir eine Struktur geschaffen haben, wo jeder eine unglaublich tolle Leistung bringt und wo es auch einmal möglich ist, sich zurückzuziehen, während die Partei genauso exzellent weitergeführt wird, wenn man einmal nicht da ist. So soll es ja auch in Zukunft sein, weil natürlich ist mein Anspruch der, zum Unterschied von meinen Vorgängern, diese Verantwortung nicht ewig zu leben. Ich habe nach den ersten zehn Jahren zehn weitere Jahre Erfolgsweg geplant. Aber natürlich denke ich auch daran, dass man junge Leute fördern muss und dann auch die Kraft haben muss, irgendwann einmal zu erkennen, einer neuen Generation die Möglichkeit zu geben, die Stafette zu übernehmen. Ich glaube, wenn das gelingt, dann hat man den persönlichen Reifungsprozess im Interesse einer Gemeinschaft optimal gelebt. Aber jetzt denke ich mal an die nächsten zehn Jahre, in denen wir Geschichte schreiben.