Slowenien ist zwar seit 2004 Mitglied der Europäischen Union, aber einen Teil der vielzitierten „europäischen Werte“ dürfte dieser Staat noch nicht verinnerlicht haben. Konkret geht es um den Minderheitenschutz, oder genauer gesagt, um die verfassungsrechtliche Anerkennung der deutschen (Rest-)Minderheit. So bestätigte der slowenische Ministerpräsident Marjan Sarec die Auffassung seines Außenministers Miro Cerar, wonach es „keine rechtliche Grundlage für Grundlage für die Anerkennung der deutschsprachigen Bevölkerung Sloweniens als Minderheit“ gäbe.

Wenn es um die eigenen Minderheiten geht, stellt Laibach natürlich Forderungen. So verlangte Cerar im November bei seinem Besuch in Wien mehr Förderung für die in Kärnten und der Steiermark lebende slowenische Minderheit.

Scharf kritisiert werden Cerars Aussagen vom Verbande der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich (VLÖ). Dessen Generalsekretär Norbert Kapeller spricht von „einem Schlag ins Gesicht für all jene, die sich ehrlich und interessiert für die Belange der deutschen altösterreichischen Volksgruppe in Slowenien einsetzen, deren langjährige Forderung im Sinne der offiziellen Anerkennung als autochthone Minderheit unterstützen und somit auch den nachhaltigen Fortbestand dieser sichern wollen“.

In Slowenien sind Italiener und Ungarn in der Verfassung als autochthone Minderheiten anerkannt. Kürzlich forderte der Dachverband der Kulturvereine der deutschen Volksgruppe in Slowenien, die auch als Altösterreicher bezeichnet wird, die Anerkennung als autochthone Minderheit in der slowenischen Verfassung. Die Organisation verlangt, dass Slowenien und seine öffentlichen Institutionen die Aktivitäten und die nachhaltige Entwicklung von deutschsprachigen Kulturvereinen ihrer Gemeinschaft in Slowenien finanzieren, die Mitglieder der Gemeinschaft als loyale slowenische Staatsbürger respektieren und im Einklang mit der Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europarates Deutsch als Unterrichtssprache einführen.

In Slowenien leben rund 2.000 autochthone Deutsche, jedoch nicht in einem geschlossenen Siedlungsgebiet. Zum Vergleich: 1921 leben auf dem Gebiet des heutigen Slowenien 41.514 Deutsche, was einem Bevölkerungsanteil von 3,9 Prozent entsprach. Dass die Zahl der Altösterreicher dermaßen stark zurückging, hängt mit der starken Abwanderung in der Zwischenkriegszeit, vor allem aber mit den Verbrechen der kommunistischen Tito-Partisanen am Ende des Zweiten Weltkriegs, zusammen.

[Text: B.T.; Bild: Wikipedia/PhJ; Lizenz: CC BY-SA 1.0]