Wer eine Servitut über längere Zeit nicht in Anspruch nimmt, riskiert eine Verjährung. Ähnlich läuft es mit unserem Bargeld.

Während sich die Hochfinanz die Hände reibt, stockt wachsamen Geistern der Atem. Immer weniger Menschen bezahlen in bar, sondern stecken lieber eine Karte in einen Plastikschlitz und drückt einige Ziffern ein. Um satte 15 Prozent sind Bankomat-Zahlungen im Vorjahr angestiegen. Der Reiz, einen Geldschein aus der Lederbörse zu ziehen und die Wechselmünzen entgegenzunehmen, scheint abzunehmen. Dabei gibt es doch kaum ein schöneres Gefühl!

All jene, die aus Gründen der Bequemlichkeit auf die traditionellen Zahlarten verzichten, werden sich in zwanzig Jahren den Vorwurf gefallen lassen müssen, an der endgültigen Entrechtung und Verglasung des Einzelnen mitgewirkt zu haben. Am Ende dieser Entwicklung steht ein durchsichtiger Mensch, von allen Seiten kontrollier- und steuerbar. Nicht mehr nur – wie heute – ein Sklave der Technik, sondern ein Teil von ihr.

Übrigens ist nach rechtlicher Definition nicht der Kontoinhaber Eigentümer „seines“ deponierten Geldes, sondern die Bank. Er hat bloß eine Forderung gegen sie.

Also: Wehret den Anfängen! Vertrauen wir nicht blind der Konsumindustrie und den Banken! Sie haben oft genug bewiesen, wie gut sie mit Geld umgehen können. Nicht die Banken retten den Steuerzahler, sondern höchstens der Steuerzahler die Banken! Sie nehmen nicht nur bereitwillig sein Geld, sie setzen es auch gerne in den Sand. Und der Steuerzahler darf es dann wieder zurückkaufen.

Je öfter man abhebt, desto gewichtiger das Argument pro Bargeld. „Wenn keiner sein Geld haben will“ – wird man uns in zwanzig Jahren erklären – „dann lasst es doch gleich bei uns! Wir passen gut drauf auf – versprochen!“, versichert der Bankier und rückt seine Manschetten zurecht.

[Text: A.L.; Bild:  Wikipedia/Santeri Viinamäki; Lizenz: CC BY-SA 4.0]