Das Jahr 2019 ist quasi Schaltjahr für die österreichischen Haushalte in Sachen Smart Meter-Umstellung, d. h. der von oben verordneten Einführung digitaler Stromzähler. Eine sogenannte Europäische Richtlinie zu Energieeffizienz und Energiedienstleistungen aus dem Jahre 2006, adaptiert 2009, verordnet, dass zu diesem Zeitpunkt mindestens 95 Prozent der österreichischen Konsumenten auf Smart Meter umgestellt werden. Aktuell wurden bereits 600.000 Haushalte in Österreich auf Smart Meter umgestellt. Kostenpunkt für einen Haushalt: zwischen 30 und 80 Euro, die im Rahmen des sogenannten Messentgelts den Konsumenten abgeknöpft werden. Dass man sich gegen die Installierung von Smart Meter verwehrt, lassen Europäische Union und die in Österreich verantwortlichen Stellen des Wirtschaftsministeriums und der Stromnetzbetreiber nur bei maximal fünf Prozent der Haushalte zu.

Verkauft worden ist dies den Verbrauchern durch Politik und Stromkonzerne mit besserer Energienutzung und dadurch fallenden Energiekosten. Durch die Hintertür kommt hier aber die völlige digitale Überwachung auf die Bürger zu, und die tatsächliche Senkung der Stromkosten erweist sich laut neuesten internationalen Studien auch als Trugbild. Und man kann als Bürger dieser zwangsverordneten Stromverbrauchskontrolle auch nur schwer entgehen.

Eigentlich sollte der intelligente Stromzähler ein Optimum beim Stromverbrauch herausholen. Durch eine Stromverbrauchsmeldung im Viertel-Stunden-Takt sollten etwa die Endverbraucher tageszeitabhängige Tarife im Zusammenhang mit Lastspitzen besser nutzen können. Der durch den Smart Meter dokumentierte Endverbrauchsfahrplan sollte via Vierteljahresabrechnungen die Konsumenten in die Lage versetzen, ihr Stromverbrauchsverhalten insgesamt nachhaltig zu optimieren. Auf diese Weise solle es bei Ausnützung günstiger Tarife am Ende des Tages keine Nachzahlungen bei den Jahresabrechnungen mehr geben.

Gleichzeitig loben Europäische Union, Wirtschaftsministerium und die staatliche E-Controll-Behörde auch den reduzierten Stromverbrauch bei der Sammlung, Dokumentation und Übertragung der Zählerresultate durch Smart Meter gegenüber kritischen Konsumenten. So würden etwa Besuche durch Stromkontrolleure zukünftig gänzlich wegfallen. Der Pferdefuß dieser ganzen Angelegenheit ist, dass nicht nur der Stromnetzbetreiber und der Stromlieferant, sondern bei Datenmissbrauch auch jederzeit Dritte quasi im 25-Minuten-Rhythmus überwachen können, ob und wie hoch der Stromverbrauch bei Endkunden ist. Ob ein Bürger gerade zu Hause anwesend ist, seinen Fernseher oder seine Waschmaschine in Betrieb hat oder am Wochenende verreist ist, kann der Smart Meter in schöner Regelmäßigkeit dokumentieren und weiterverbreiten.

Für Einbrecher, die etwa via Hackangriff zu solchen Datenübertragungsinformationen gelangen, bietet dies etwa ein lückenloses Bewegungsbild über Gewohnheiten von Wohnungsbesitzern bzw. deren zeitliche Abwesenheit. Auch die Anzahl der in einer Wohnung befindlichen Personen bzw. die Anzahl der betriebenen Elektrogeräte kann via Smart Meter jederzeit hochgerechnet und abgelesen werden. Dazu kommen potenzielle Gefahren durch Elektrosmog durch die regelmäßige Übertragung der Stromverbrauchsdateien in der Umgebung des Smart Meter.

Neben diesen datenschutzrechtlichen Bedrohungen durch Smart Meter steht auch die Kernargumentation für die Umsetzung dieses Projekts auf sehr wackeligen Beinen.
Energieexperten der Universität Twente in den Niederlanden haben Abweichungen von bis zu 600 Prozent der Smart Meter-Messwerte gegenüber dem tatsächlichen Verbrauch festgestellt.

Grund dafür ist, dass viele konventionelle Haushaltsgeräte auf die neue Smart-Meter-Technik nicht abgestimmt sind, und es somit zu falschen Messergebnissen kommt. Energiespargeräte würden etwa den Mess-skalierungen der Smart Meter nicht entsprechen. Wenn die jeweils eingesetzte Smart-Technik und die der E-Geräte also nicht vollständig kompatibel ist, dann kann es hier zu Fehlern in den Messdaten nach oben, aber auch nach unten geben. Niederländische Konsumentenschützer schlugen deshalb Alarm und forderten einen Stopp der weiteren Ausrollung des neuen Smart-Meter-Systems sowie eine flächendeckende Kontrolle bereits installierter Gerätetypen, um weiterer Fehler zu vermeiden.

Bei uns in Österreich haben die staatlichen Konsumentenschützer das Thema weitgehend verschlafen. So gibt sich etwa Konsumentenschutzminister Alois Stöger in parlamentarischen Debatten rund um diese Thematik zum wiederholten Male als unzuständig und verweist auf Wirtschaftsministerium und E-Control, die aber für diese neue Technik heftig lobbyiert haben.

 

[Text: F. S.; Bild: Zuzu/wikimedia.org]