Die Polit-Groteske um den Rücktritt von SPÖ-Chef Christian Kern dürfte einen ganz realen finanziellen Hintergrund haben. Der vormalige Spitzenmanager und Spitzenverdiener von Gnaden der Partei war mit seinem Abgeordnetengehalt und den 5.000 Euro, die er als Parteichef der größten Oppositionspartei dazubekam, dem Vernehmen nach nicht wirklich glücklich. Und die Chance auf einen neuen Spitzenposten in der staatsnahen Wirtschaft war für Christian Kern unter der nunmehrigen türkis-blauen Bundesregierung naturgemäß sehr gering. Die Gerüchte, dass er durch die Vermittlung von Ex-SPD-Kanzler Gerhard Schröder mit Gazprom verhandelt habe, dürften somit einen realen Hintergrund haben.

Schließlich dürften sich dann aber die roten Spitzengremien durchgesetzt haben, dass die SPÖ unglaubwürdig wäre, wenn nach Alfred Gusenbauer nun ein weiterer Parteivorsitzender völlig verloren gegangen wäre. Welche Möglichkeiten blieben nun für die Versorgung von Christian Kern? Eben die EU! Seine vollmundige Ankündigung, als SPÖ-Spitzenkandidat die Europawahl 2019 zu einer Richtungsentscheidung machen zu wollen, ist zweifelsohne bloß ein Vorwand. Vielmehr dürfte die üppige Ausstattung der EU-Abgeordneten mit Diäten Kern motiviert haben, und überdies könnte er darauf spekulieren, einen hohen EU-Job zu erhalten. Vielleicht als Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokraten oder in der europäischen Kontrollbank und dergleichen.

Es wäre jedenfalls nicht das erste Mal, dass gescheiterte nationale Politiker auf EU-Ebene mit höchsten Würden versorgt werden. Man denke etwa an Jose Manuel Barroso, der als portugiesischer Regierungschef gescheitert war und EU-Kommissionspräsident wurde. Oder an Herman Van Rompuy, der vom gescheiterten belgischen Ministerpräsidenten zum ersten ständigen EU-Ratspräsidenten aufgestiegen war. Warum also sollte nicht auch der Polit-Versager Christian Kern in diese höchsten Kreise der EU-Nomenklatura aufsteigen?

[Text: A.M.; Bild: Wikipedia/SPÖ Presse und Kommunikation; Lizenz: CC BY-SA 2.0]