Die jüngste Distanzierung der österreichischen Sozialdemokratie von „deutschnationalen Burschenschaftern“, wie sie alle Angehörigen waffenstudentischer Korporationen nennt, wurde verursacht durch die Liederbuchaffäre in Niederösterreich. Damals wurde bekannt, dass die maßgeblichen Verantwortlichen des Liederbuches der pennalen Burschenschaft Germania Wiener Neustadt prominente SPÖ-Angehörige waren. Die allgemeine mediale Hetzjagd gegen die Burschenschaften veranlasste die SPÖ zu einer Panikreaktion und zum sofortigen Parteiausschluss der betroffenen Personen. Dies wurde nunmehr mit dem neuen Parteistatus bestätigt.

Die gegenwärtigen Spitzenpolitiker der SPÖ haben allerdings übersehen, dass man sich damit von der eigenen Geschichte verabschiedet. Burschenschafter waren die beiden Parteigründer Victor Adler und Engelbert Pernerstorfer. Bei Pernerstorfers Begräbnis spielte man auf Wunsch des Verblichenen das alter Burschenschafterlied „Der Gott, der Eisen wachsen ließ“ von Ernst Moritz Arndt. In der Zwischenkriegszeit waren alle Sozialdemokraten, von Karl Renner über Karl Seitz bis hin zu Otto Bauer und Friedrich Adler, dem Sohn des Parteigründers, auch glühende Deutschnationale. Und schließlich ist es noch nicht allzu lange her, dass der frühere Wiener Bürgermeister Michael Häupl in seiner jugendlichen Sturm-und-Drang-Zeit Mitglied einer pennalen Burschenschaft war.

Für die geschichts- und traditionsvergessene Führungsriege der heutigen SPÖ scheint das keine Rolle zu spielen. Wichtig ist ihr vielmehr, den Kniefall vor der Political Correctness zu vollziehen, der realpolitisch kaum Auswirkungen haben dürfte. Heute wird kein Burschenschafter, der einigermaßen bei Sinnen ist, die Mitgliedschaft in einer Partei wie der gegenwärtigen SPÖ anstreben.

[Text: A.M.; Bild: Wikipedia/Adam Carr; Lizenz: public domain]