Jahrelang hat die SPÖ die Opposition kritisiert, mittlerweile findet sie sich eher unfreiwillig selbst in dieser Rolle. Endlich. Und siehe da – sie kann’s tatsächlich. Auch wenn so mancher Kritiker befindet, sie hätte sich bislang nicht allzu wacker geschlagen. Quatsch! Im Gegenteil: Wir haben die härteste Opposition seit Langem.
Eine Opposition, die ihre Kräfte nicht in so sinnlosen Aktionen wie etwa der Kontrolle der Bundesregierung erschöpft, sondern sich endlich mit ganzer Kraft auf jene Probleme stürzt, die einer breiten Mehrheit unter den Nägel brennen: zum Beispiel auf die eigene Partei – nach dem Motto: „Wer, wenn nicht wir.“
Endlich eine demütige, effiziente Opposition, die erst vor der eigenen Türe kehrt, bevor sie anderswo aufräumt. Wozu also Kraft in sinnlose zwischenparteiliche Scharmützel stecken, wenn‘s auch innerparteilich geht!
Und so hat Altkanzler und Pizzabote a.D. Christian Kern scheinbar längst abgelassen von der Vranitzky‘schen Erbfeindschaft gegen die FPÖ und dem Groll gegen seinen unbesiegten Nachfolger im Kreisky-Zimmer. Vielmehr verkleinerte er in gebührender Bescheidenheit seinen Aktionsradius und konzentriert sich seit Neuestem auf die personifizierte FPÖ der eigenen Reihen: Auf Hans Peter Doskozil, der kürzlich erst seine Genossen davor warnte, in eine „grüne Fundi-Politik“ a la Julia Herr abzudriften. Kerns wortgewaltige Reaktion: „Doskozil liegt schlicht falsch“ und seine Ansicht sei „obskur“. Wahrscheinlich war sein ansehnliches Militärbudget auch noch Schuld an der Wahlschlappe.
Weiters fordert der Pizzabote a.D. noch eine „geordnete Migrationspolitik.“ Vermutlich so geordnet, wie er selbst seinerseits die Problematik der unkontrollierten Asylantenwellen „auf Schiene gebracht“ hat.
Viellicht aber lässt sich das ungewöhnliche Verhalten des roten Bundesparteiobmanns auch aus einer gespaltenen Persönlichkeitsstruktur aufgrund seiner fortwährenden Identitätswechsel erklären: „Oberschaffner“, „Bundeskanzler“, „Pizzalieferant“ und auch noch „Prinzessin“, die sich endlich „holt, was ihr zusteht“ – obwohl die Habsburger-Gesetze längst entschärft sind! Das ist selbst einem aalglatten Manager, an dem Herausforderungen gewöhnlich abperlen wie Wassertropfen von Seerosenblättern, zu viel.
Und weil der rote Bote Opposition so gut kann, darf er sie gewiss auch noch sehr lange machen – sofern ihm nicht ein Genosse das Ruder aus der Hand reißt.

[Text: A.L.; Bild: Wikipedia.org/Franz Johann Morgenbesser; Lizenz: CC BY-SA 2.0]