Noch immer wird darüber spekuliert, wer hinter dem gescheiterten Militärputsch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan steckt. Einem Bericht der Erdogan nahestehenden Zeitung „Yeni Safak“ zufolge, soll der ehemalige Kommandant der NATO-Streitkräfte in Afghanistan, John F. Campbell, die Fäden gezogen haben. In seiner englischsprachigen Ausgabe bezeichnet das Blatt den US-General im Ruhestand als „eine der Hauptfiguren, die den gescheiterten Putschversuch in der Türkei organisierten“.

Wie „Yani Safak“ unter Berufung auf türkische Ermittlungen schreibt, habe Campbell auch „über die UBA Bank in Nigeria Transaktionen von mehr als zwei Milliarden Dollar geleitet, indem er CIA-Verbindungen nutzte, um das Geld in der Türkei unter den Militärs zu verteilen, die für den Putsch waren“. Das Geld selbst soll von einem 80-köpfigen Spezialteam der CIA verteilt worden sein, um einem Putsch gegenüber positiv eingestellte Generäle zu „überzeugen“. Die türkische Zeitung will auch wissen, dass der pensionierte US-General an „streng geheimen“ Treffen an den Militärstützpunkten in Erzurum und Incirlik teilnahm. Am Luftwaffenstützpunkt Incirlik, der auch von den USA genutzt wird, habe Campbell „den Prozess geleitet, auf dieser Basis stationierte (Pro-Erdogan-)Offiziere auf schwarze Listen zu setzen.“

Wer auch immer hinter dem gescheiterten Putschversuch stehen mag, Tatsache ist, dass Erdogan seine Säuberungsaktion fortsetzt. Bis Sonntag wurden 13.165 Personen wegen angeblicher Verwicklung in den Umsturzversuch verhaftet, unter ihnen 8.838 Militärangehörige, 2.101 Richter und Staatsanwälte sowie 1.485 Polizeioffiziere. Zudem wurden zahlreiche Bildungseinrichtungen geschlossen, die, wie es amtlich heißt, von der „fethullahistischen terroristischen Organisation“ betrieben werden. Hinter ihr steht Erdogans Erzfeind, der in den USA lebende Prediger Fethullah Gülen.

 

[Text: B. T.; Bild: U. S. Army/wikimedia.org]