Und wieder einmal soll Russland an allem schuld sein. Nach dem verheerenden Angriff auf einen UNO-Hilfskonvoi in Syrien, bei dem 20 Zivilisten getötet wurden, erklärt der stellvertretende Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, Ben Rhodes: „Alle unsere Informationen besagen eindeutig, dass dieses ein Luftangriff war, für den nur zwei Einheiten verantwortlich sein können: das syrische Regime oder die russische Regierung.“ Moskau, aber auch der syrische Präsident Baschar al-Assad weisen jede Verantwortung für dieses Kriegsverbrechen von sich.

Denkbar ist hingegen eine Verwicklung der USA in den Beschuss des UNO-Hilfskonvois am 19. September. Wie nämlich das russische Verteidigungsministerium bekanntgab, hielt sich während des Beschusses des Konvois eine US-Kampfdrohne des Typs Predator im Luftraum des Gebietes auf. „Am Abend des 19. September flog eine Drohne der US-Koalition von der Incrirlik-Airbase in der Türkei in die besagte Region. Die Drohne flog in einer Höhe von 3.600 Metern und bewegte sich ungefähr mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde", sagte Igor Konaschenkow, der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums. Nach russischen Angaben bewegte sich das unbemannte Flugobjekt über dem Gebiet in der Nähe der Stadt Urm Al Kubra, wo wenige Minuten zuvor ein Konvoi beschossen wurde, und verschwand nach 30 Minuten wieder.

Der Beschuss des Hilfskonvois der UNO wirft jedenfalls Fragen auf: Warum soll Russland an einer Eskalation der Lage in Syrien, die in einer militärischen Konfrontation mit den USA enden könnte, ein Interesse haben? Handelte es sich um einen in Washington geplanten Einsatz „unter falsche Flagge“, um den Vorwand für ein stärkeres militärisches Eingreifen in Syrien zu liefern? Bekanntlich konnte sich das Regime Assads dank russischer militärischer Unterstützung stabilisieren.

 

[Text: B. T.; Bild: U.S. Air Force photo/Lt Col Leslie Pratt]