Es ist nun soweit. Die USA haben Strafzölle auf Importe aus der EU verhängt. Die EU antwortet wiederum mit Strafzöllen auf amerikanische Exporte nach Europa. Was auf dem ersten Blick unlogisch bzw. als unvernünftig erscheinen mag, hat Methode und dient tatsächlich einer gerechteren bzw. faireren Lastenverteilung im transatlantischen Verhältnis.

Und damit ist nicht die Brüsseler Reaktion auf US-Präsident Trumps Verhängung von Strafzöllen gemeint und die Zuschiebung des schwarzen Peters auf die westliche Seite des Atlantiks, sondern die Weigerung der EU mit den USA ernsthafte Gespräche zu führen. Trump ging es um Zölle auf amerikanische Produkte, die höher sind als amerikanische Zölle auf europäische Produkte. Die EU weigerte sich mit Drohungen am Tisch in Verhandlungen hierüber zu treten. Eine ähnliche Vorgehensweise wie sie der Iran und Nordkorea gewählt haben. Mehr oder weniger erfolgreich.

Nun verhandelt man mit Verbündeten über Handelsfragen natürlich anders als mit Feinden bzw. potentiellen Feinden über Nuklearwaffenprogramme sowie Raketentests. Jedoch sind die Grundprinzipien sehr wohl vergleichbar und parallel muss die US-Regierung die Lage im Iran und in Nordkorea mit im Auge behalten. Ebenso das Verhalten von Verbündeten in diesen Fragen.

Was die europäischen Führer in Bezug auf Russland, China und sogar dem Iran und Nordkorea tun, verabsäumen sie beim wichtigsten Partner. Sich in seine Lage zu versetzen.

Amerika trägt die Hauptlast in Bezug auf den militärischen Schutzschild innerhalb der NATO. Amerika trägt gemeinsam mit Israel und Saudi-Arabien die Hauptlast gegenüber der effizienten Abschreckung des Iran. Die EU gefällt sich weiterhin in der Rolle des sicherheitspolitischen Trittbrettfahrers. Nun erfolgte die handelspolitische Antwort. Aber angesichts von Brexit und einem sich ankündigenden Euroaustritt Italiens herrscht in Brüssel wohl Bunkerstimmung.

[Text: G.B.; Bild: Wikipedia/Gage Skidmore; Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic]