Ungarns heillos zersplitterte Oppostion hat es schwer. Viktor Orbán stützt sich im Parlament auf eine Mehrheit von beinahe zwei Drittel der Mandatare und setzt Schritt für Schritt volkstümliche Maßnahmen. So gilt ab heuer der Karfreitag als gesetzlicher Feiertag. Als Zeichen für das christliche Selbstverständnis der Nation.

Ein zweiter Zaun zu Serbien schützt die Souveränität noch nachhaltiger als bisher. Ab sofort sorgen Transitzonen an der Grenze (mit einer offenen Tür Richtung Serbien) dafür, dass unerwünschte Einwanderer in Zukunft nicht mehr die Behörden papierln, indem sie schmähhalber einen Asylantrag stellen und unmittelbar darauf die Weiterreise gen Westen antreten. Orbán sorgt zudem für ein gutes Investionsklima, die Wirtschaft steht unter Volldampf: Die EU erhöht kürzlich die Wachstumsprognose für 2017 auf 3,5 % (für 2018 3,2 😵. Damit übersteigt die ungarische Wachstumsrate den Durchschnitt der EU.

Die Opposition sucht und findet tatsächlich ein wunden Punkt, die Bewerbung der Hauptstadt für die Sommerolympiade 2024. Sollte das IOC wirklich auf Budapest setzen, würde das Ungarn viel Ehr’ bringen, aber noch mehr Geld kosten. Mittel, die woanders fehlen. Daher unterschrieben in den letzten Wochen rund 266.000 Bewohner der Hauptstadt eine Petition, die sich gegen Olympia richtet und worin eine Volksabstimmung gefordert wird. Organisiert wurde die Protestaktion von einer Gruppe, die sich Momentum nennt. Berauscht vom unerwarteten Erfolg, wandelte sich die Gruppe am 4. März in eine politische Partei um. In Ungarns regierungskritischer Presse wird Momentum hochgejubelt. Es lohnt daher ein Blick auf die neue Bewegung.

Vorsitzender ist ein durchaus sympathischer junger Mann mit gepflegtem Bart à la Conchita Wurst. Der 28jährige Jurist aus gutem Hause schreibt sich András Fekete-Györ, Absolvent des konservativen, im Schatten des Budaer Burgviertels gelegenen Toldy-Ferenc-Gymnasiums, danach Jusstudium. Es folgen die üblichen Stationen eines Burschen der jeunesse dorée: Praktikant bei der EU und in Paris, beim Deutschen Bundestag. Auch privat gibt sich Fekete-Györ durchaus weltläufig: Mit seiner französischen Freundin unterhält er sich auf Deutsch. Davor ist war mit einem Mädel aus Singapur liiert, in die er sich bei einem Jungjuristen-Wettbewerb in Hongkong verliebte.

Es stellt sich die Frage, weswegen sich Viktor Orbán vor diesem jungen Mann und seiner Momentum-Partei (ihr bescheidenes Quartier ist ein Kellergewölbe in Budapest VII., Rózsa utca 22) fürchten sollte?

 

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[Bild: kremlin.ru]