„Gott schütze Österreich, denn wir können es nicht“, ist ein geläufiger Sager innerhalb des Bundesheers. Hierbei handelt es sich weniger um Selbstkritik aufgrund eines mangelnden Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten, sondern vielmehr um Fremdkritik, verursacht durch zynische Resignation gegenüber Bundesregierungen, welche das Bundesheer von seinen­ Anfängen als B-Gendarmerie­ bis heute nicht ausreichend
finanziell budgetiert haben.
Aber Verteidigungsbereitschaft und Kampfkraft hängen auch von gesellschaftlichen und psychologischen Faktoren sowie von Einsatzregeln ab. Während in autoritären Staaten das Militär sich immer wieder in die große Strategie einmischt, die eigentlich der politischen Führung vorbehalten sein sollte, mischen sich in Demokratien politische Führungen oftmals in die Taktik ein. Selten mit Erfolg.
Die jüngste Debatte um die Vorfälle am Golan im September 2012 reiht sich ein in die Geschichte von Einmischungen durch die Politik, die wiederum von der veröffentlichten Meinung­ beeinflusst wird. Während des Prager Frühlings 1968 erhielt das Bundesheer den Befehl, die Grenze zur damaligen Tschechoslowakei in einem Sicherheitsabstand von einigen Kilometern zu sichern. Eine Vorsichtsmaßnahme, um die Sowjets nicht zu provozieren. Was Vertrauen zum potentiellen Aggressor schaffen sollte, untergrub das Vertrauen der Schutzbefohlenen. Während des Grenzsicherungseinsatzes 1991 gegenüber dem damaligen Jugoslawien wurde wiederum der Befehl erteilt, die Miliz nicht zu mobilisieren, um eine Eskalation zu vermeiden. Wenigstens konnte die absurde Idee, sämtliche Kanonenrohre nicht Richtung Süden bzw. Südosten auszurichten, abgewendet werden. Und wieder sitzen Politiker und Beamte in sicheren Kabinettszimmern, Redakteure in sicheren Stuben und haben tagelang Zeit, sich allerhand Unfug einfallen zu lassen. Während in Stellungen und Bunkern Soldaten sitzen, die innerhalb von Minuten­ Entscheidungen treffen müssen, die über Leben und Tod bestimmen.

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