Vor wenigen Tagen – ausnahmsweise – hat der Autor dieser Zeilen der Endlichkeit seines Lebens keinen Tribut gezollt und sich eine Stunde lang jene ORF-Diskussion angesehen, die seit mehreren Tagen so manches journalistische Gemüt erhitzt. Eine Sendung, in der Paulus Manker die Regierung „Dreckskerle“ schimpfte und Strache eine „aufgeschwemmte Wasserleiche“ nannte.

So weit, so schlecht. Dennoch unverständig, dass Michael Jeannee eine Zensur besagter Stelle einfordert. Die Regierung ist stark genug, die selbstinszenatorischen Attitüden eines mittelmäßigen Schauspielers zu ertragen! Da bedarf es keiner Schnitte. Und je mehr Bürger der politischen Korrektheit abschwören, desto besser. Soll also sagen, was er will, der Manker! Wer sich zeigt, gibt sich immerhin preis.

Die Sendung aber hatte – wie so viele Produktionen des ORF – einen viel gefährlicheren, subtileren Gast. Einen Gast, der verschlagenen Auges unter dem Deckmäntelchen der Seriosität gezielte Intention in seinen Botschaften versteckte: Julia Ebner, eine junge einschläfernde „Extremismusforscherin“, die ausnahmsweise trotz Absolvierung der Studien „Internationales Manegement“, „Philosophie“ und „Internationale Beziehungen“ (London) nicht beim AMS gelandet ist. Warum wohl? Weil sie perfekt ins System passt. Weil sie brav Bücher gegen böse „Rechtsextremisten“ publiziert und deutschen Staatssendern konventionelle Interviews gibt. Eine Dame des Establishments also.

Und diese feine Dame lässt uns gleich anfangs wissen, dass „Kunst selbstverständlich eine große Rolle auch in der „Extremismusbekämpfung“ spielen“ sollte. Gegen Rechtsextreme könne man mit „positiver Kunst gegenarbeiten“: ein Plädoyer für eine staatlich instrumentalisierte Politkunst also, die nicht mehr die großen Fragen thematisiert, sondern sich vielmehr zur Hure der Ideologie erniedrigt. Auch Schauspiel fasziniere, weil man „Tabubrüche“ herbeiführen könne und das „Unangenehme, nicht Offensichtliche ganz anders verpacken kann.“

Und genau das tat die systemimmanente Dame die ganze Sendung lang! So klage sie über „sexistische Hasskampagnen“ von „Rechtsextremisten“ und durfte sogar ihr Buch „Wut: Was Islamisten und Rechtsextremisten mit uns machen“ lang und breit präsentieren.

Schon durch den Titel aber wird gezielt „Islamismus“ mit „Rechtsextremismus“ auf dieselbe Stufe gestellt. Eine Verharmlosung ohnegleichen! Wo sind denn die vielfach beschworenen Rechtsextremisten, die Zeitungsredaktionen totschießen, Bomben zünden und die Zivilbevölkerung vergewaltigen? Und vor allem: Wer sind diese „Rechtsextremisten“, die die „Opferrolle der Eigengruppe“ auskosten und „Fremdgruppen dämonisieren“? Martin Sellner und sein Segeltrupp? Diese Antworten jedenfalls ist uns die Schlagwort-Dame schuldig geblieben.

Wenn’s nicht so traurig wär, könnte man lachen! Wie harmlos ist doch dagegen der Manker mit seinem Karl Kraus!

[Text: A.L.; Bild: Screenshot ORF Mediathek]