Der neue Bericht von Europol lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Weitere Terrorangriffe des Islamischen Staates (IS) in der EU, insbesondere in Frankreich, seien wahrscheinlich, warnt die europäische Polizeibehörde. Zudem ließen Erkenntnisse von Nachrichtendiensten der EU-Mitgliedstaaten darauf schließen, dass die dschihadistische Terrororganisation „mehrere Dutzend Leute“ hat, die in der Lage sind, in Europa Anschläge durchzuführen. Und aufgrund der Gebietsverluste des IS in Syrien und im Irak steige die Terrorgefahr in Westeuropa, heißt es in dem 14-seitigen Bericht von Europol.

Auch warnt Europol, dass der IS seinen „Modus operandi“ ändere, also neue Arten von Terroranschlägen verübe. So wird in dem Bericht festgehalten: „Der Modus operandi, den die Dschihadisten in Syrien und im Irak verwenden, könnte bis zu einem gewissen Grad in die EU exportiert werden. Neue Anschlagsarten auszuprobieren gilt als Kennzeichen des IS. Ein Beispiel sind die Selbstmordattentate bei den Pariser und Brüsseler Anschlägen 2015 und 2016, eine Form, die der IS zuvor außerhalb seines Operationsgebietes (in Syrien und im Irak, Anm.) nicht verwendet hat. Andere Möglichkeiten für die Zukunft sind Autobomben, Erpressung und Entführungen.“

Aus dem Europol-Bericht geht auch hervor, dass der IS künftig seine Mörder nicht mehr nach Europa bringen muss, sondern sie in der EU rekrutieren kann. Der Grund dafür ist die Massenzuwanderung aus dem Nahen Osten. So ist von der „echten und drohenden Gefahr“ die Rede, dass „Elemente der (sunnitischen) syrischen Flüchtlings-Diaspora verwundbar für Radikalisierung werden, wenn sie einmal in Europa zum besonderen Ziel islamistischer Anwerber werden“. Auch sei davon auszugehen, dass zu diesem Zweck bereits jetzt Dschihadisten durch Europa reisen. Darüber hinaus hätten nach unbestätigten Informationen die deutschen Behörden von rund 300 erfassten Versuchen Kenntnis, in denen Dschihadisten bis Ende April 2016 versucht hatten, sogenannte Flüchtlinge, die nach Europa reisen wollten, zu rekrutieren.

 

[Text: B. T.; Bild: Maya-Anaïs Yataghène/wikimedia.org]