„Gott hatte zehn Gebote. Wilson hat vierzehn Punkte. Wir werden sehen“, meinte der französische Ministerpräsident George Clemenceau mit dem abgeklärten Zynismus des alternden Staatsmannes, angesichts der Forderungen des US-Präsidenten Wilson nach dem Ersten Weltkrieg keine Revanche zu üben, sondern eine gerechte Ordnung zu schaffen. Wir haben gesehen.

Angesichts der bisherigen Ergebnisse des gestern begonnen EU-Gipfels könnte man sagen: „Seehofer hat 63 Punkte. Merkel hat Sitzfleisch. Wir werden sehen.“ Die EU hat beschlossen, sogenannte Anlandezentren zu schaffen. Hierbei handelt es sich um die mittlerweile bekannten Lager gemäß dem australischen Modell, in welchem die sichere Versorgung der Asylwerber außerhalb der EU gewährleistet sein soll, während diese von dort aus ihre Anträge stellen.

Die Diskussion hierüber währt bereits über einen derartigen Zeitraum, dass man schon von einem Sitzfleischduell zwischen dem europäischen Bürger und seinen Regierenden sprechen kann. Immerhin erklärte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán, dass die Bürger zwei Dinge von der Politik verlangen. Keiner soll mehr rein und die, die da sind, sollen wieder raus. Gemeinsam mit der italienischen Vetodrohung führte dies zu einem Papier, welches strikte Taten in Aussicht stellt. Ob diese auch folgen werden, wird man, wie gesagt, sehen.

Jedenfalls hat Merkel nunmehr einen Text in der Hand, mit dem sie in Berlin Richtung München winken kann. „Border-Security in our time.“ Wir werden sehen.

[Text: G.B.; Bild: Wikipedia/Sven Mandel; Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International]