Der Verfasser dieser Zeilen war einigermaßen konsterniert. Wie so oft. Mit der aktuellen Wien-Beilage der Samstags-„Presse“ in der Hand stellte er sich die Frage, ob er nicht „womöglich versehentlich die Faschingsbeilage der Kleinen Zeitung erwischt hatte. Aber ein Blick auf Titelblatt sowie Kalender verunmöglichten die zunächst naheliegende Vermutung.
Die neue Datenschutzverordnung zum verschärften Schutz der Privatsphäre führt nunmehr dazu, dass sämtliche Wohnungen von „Wiener Wohnen“, also immerhin 200.000 Gemeindewohnungen, lediglich durch Nummern kenntlich gemacht werden dürfen, nicht mehr durch Namen.
Dies ist die Folge einer Beschwerde eines Mieters, welcher sich auf besagte Verordnung berufen hatte. Seine Privatsphäre sei gefährdet, aufgrund der Möglichkeit eines Vorbeigehenden seinen Namen vom Türschild ablesen zu können.
Was auf dem ersten Blick wie ein Schildbürgerstreich anmutet. Den Zustellern graust bereits vor der Unmenge an unzustellbaren Paketen und Briefen. Auf dem zweiten Blick eine geschickte, taktische Maßnahme der Stadt Wien, einen Tarnmantel auf die demographische Entwicklung zu werfen. Dazu bedurfte es lediglich eines Mieters, der eine Beschwerde einreichte und eines Magistrats, welches den zugeworfenen Ball dankbar aufgriff.
Jeder kann anhand der Namen entsprechende Schlussfolgerungen ziehen über die Dynamik der Migration. Und dabei ist Wien ohnehin gefeit, aufgrund des Erbes der Donaumonarchie mit zahllosen tschechischen, slowakischen, ungarischen etc. Namen, deren Träger Vorfahren haben, die vor den Weltkriegen zuwanderten.
Offenbar soll das Verschwinden deutscher Namen sowie die Zunahme außereuropäischer Na­men bemäntelt werden. In Wiener Brennpunktbezirken liegt die Zahl der Mütter mit deutscher Muttersprache bei 13 Pro­zent. Und im Handyzeitalter hat nicht einmal mehr der größte Dinosaurier ein Telefonbuch.  

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