Knapp 600.000 Österreicher verfolgten an vergangenen Sonntagabend den Solo-Auftritt von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) in der ORF-Talk-Sendung „Im Zentrum“. Das Interview zur Flüchtlingspolitik hatte im Vorfeld für Kritik und Aufregung gesorgt, beim TV-Publikum stieß es nun auf großes Interesse. Der Marktanteil betrug 28 Prozent.

Das politisch umstrittene Sonderformat landete damit deutlich über dem Sendungsschnitt von „Im Zentrum“, der heuer bisher bei 454.000 Sehern und 22 Prozent Marktanteil lag. ÖVP, FPÖ und Grüne warfen dem ORF im Vorfeld der Übertragung mangelnde Objektivität und Ausgewogenheit vor. Die ÖVP ortete gar „Bestellfernsehen“ im Auftrag der SPÖ und ließ durchblicken, dass man ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bei der Wahl der neuen ORF-Führung im Sommer nicht unterstützen werde. Mehrere ORF-Stiftungsräte quer durch die politischen Lager forderten von Wrabetz in thematisch abgestimmten Anfragen Aufklärung über die Causa.

Der ORF verteidigte die Entscheidung, sein Diskussionsformat ausschließlich einem Interview mit dem Kanzler zu widmen, mit redaktioneller Unabhängigkeit und sprach von einer legitimen und journalistisch notwendigen Programmänderung. Als Vorbild diente dem öffentlich-rechtlichen Sender das deutsche Talk-Format „Anne Will“, wo Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel zuletzt ebenfalls einige Soloauftritte hinlegte.

 

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[Bild: ZZ-Archiv]