Internationale Pressemeldungen wonach für „Putins Fußball-WM“ Zwangsarbeiter im Stadionbau eingesetzt würden, sollen den autoritären Charakter Russlands unterstreichen. Vergessen wird dabei gerne, dass in den USA, dem Land mit den wohl meisten Häftlingen – man schätzt zwischen 2,2 und 2,4 Millionen –, Sträflinge auch Zwangsarbeit leisten müssen. In Arizona, Alabama und Florida wurde vor einigen Jahren wieder die berüchtigten „chain gangs“ eingeführt, die noch bis in die 1950-er Jahre vor allem im Süden der USA häufig zu sehen waren.

Heute sind die Gefangenen zwar nicht mehr aneinander gekettet, müssen aber immer noch Zwangsarbeit etwa im Straßenbau verrichten. In Russland sollen die Gefangenen übrigens fünf Euro pro Tag für ihre Arbeit erhalten. Das ist auch besser als in den USA mit max. 25 Cent pro Stunde. Die Spitze der Heuchelei ist übrigens, wenn behauptet wird, dass in den meisten Bundesstaaten der USA die Arbeit der Häftlinge freiwillig ist. Tatsächlich müssen diejenigen aber, die die Arbeit verweigern, längere Strafen absitzen! Das ist aber alles egal, wenn es darum geht, Putin anzuschwärzen.

 

H. W.

 

 

(Bild: Alan Lomax/United States Library of Congress)