Die Kriegserklärungen der Vereinigten Staaten von Amerika im 1. Weltkrieg an das Deutsche Reich vom 6. April 1917 sowie an die Österreich-Ungarische Monarchie am 7. Dezember 1917 bewahrten die Entente Cordiale vor der drohenden Niederlage und besiegelten das Schicksal der Achsenmächte im darauf folgendem Jahr. Den angloamerikanischen Kriegsparteien war bewusst, dass ihr Kriegsziel – die Zerschlagung und Vernichtung Mitteleuropas – nicht durch rein militärische Mittel zu erreichen sei, sondern flankierender Maßnahmen aus dem zivilen Bereich bedurfte. Westliche Experten für psychologische Kriegsführung machten sich an die Planung, um die Umerziehung der Besiegten und Zersetzung ihrer Kultur von innen heraus vorzubereiten: Die Stunde der „Frankfurter Schule“ hatte geschlagen.

Im Jahr 1924 gründete Felix Weil, Sohn eines millionenschweren Getreidehändlers deutsch-argentinischer Herkunft, das sogenannte „Institut für Soziale Studien“, welches nachfolgend an die Frankfurter Universität angeschlossen unter dem Synonym „Frankfurter Schule“ Bekanntheit erlangte. Georg Lukàcs, reicher Abkömmling aus dem Haus eines ungarischen Investmentbankers, dem die Zerstörung abendländischer Kultur besonders am Herzen lag, griff auf seine praktischen Erfahrungen für Umerziehung in Ungarn als vormaliger Stellvertretender Kommissar für Kultur & Erziehung unter dem bolschewistischen Regime von Bela Kun aus dem Jahr 1919 zurück. Dort hatte Lukàcs für Kinder an Schulen ein Sexualerziehungsprogramm zur Zerstörung familiärer Werte organisieren lassen, was ihn zum Protagonisten für Umerziehungsmethoden machte, welche erst Jahrzehnte später unter dem Begriff „Gender Mainstreaming“ (GM) nun auch weltweit in Erscheinung traten.

Kurz nach dem 1. Weltkrieg beschäftigte linke Ideologen die besondere Frage, warum die Arbeiterklasse außer in Russland als Träger von Revolutionen so gründlich versagte. Entgegen den Vorhersagen von Karl Marx waren die Arbeiterschaften aller Länder in den Krieg gezogen, um für ihr Vaterland zu kämpfen, anstatt Revolutionen anzuzetteln. Antonio Francesco Gramsci (1891–1937) – Autor, Politiker und linker Chefideologe aus Italien – glaubte, die Antwort gefunden zu haben, und postulierte, dass einer politischen Revolution erst der „lange Marsch durch die Institutionen“ vorauszugehen hätte. Anderenfalls würden die Massen der Kultur und religiösen Werten ihrer Väter verhaftet bleiben. Um jene festen Gewohnheiten auszulöschen, gelte es, Kultur- und schulische Einrichtungen sowie die Massenmedien vorab mit revolutionären Intellektuellen zu besetzen und auf den neuen Kurs auszurichten. Kultur- und Bildungseinrichtungen hätten über Bücher, Massenmedien und den Film revolutionäres Gedankengut zu verbreiten und dem neuen Menschen den Weg zu bereiten.

Dem ersten Direktor der „Frankfurter Schule“ Carl Grünberg folgte im Jahr 1930 Max Horkheimer, der die Theorien von Georg Lukàcs weiter verfolgte. Horkheimer sprach der Arbeiterklasse die Fähigkeit ab, Revolutionen anzustiften, und stellte die Frage nach deren Ersatz.

 

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[Bild: gemeinfrei/Wikipedia]