Im Handelsstreit zwischen den USA und der EU konnte vorerst eine Eskalation zu einem Handelskrieg abgewendet werden. US-Präsident Trump und EU-Kommissionspräsident Juncker einigten sich darauf, dass keine neuen Strafzölle während der noch zu führenden Verhandlungen verhängt werden. Jedoch bleiben die derzeitigen Zölle aufrecht. Damit ist aus der Debatte zwar Schärfe genommen worden, aber wie ein endgültiges Ergebnis aussehen wird, bleibt abzuwarten.

Amerika beklagt seit langem sein Handelsdefizit gegenüber der EU, vor allem gegenüber dem Exportmeister Deutschland. Europäische Kommentatoren verwiesen auf die bessere Qualität an der Ostseite des Atlantiks. Diese Argumentation beinhaltet jedoch den Schönheitsfehler, dass Amerika auf Autos aus der EU 2,5 Prozent an Zöllen einhebt, wohingegen es umgekehrt acht Prozent sind. Also verlässt man sich nicht ganz auf seine Wettbewerbsfähigkeit. Trumps Ziel ist die Angleichung der Zölle, also Reziprozität in Handelsfragen. Er kann sich sogar eine Freihandelszone der G 7, der sieben größten Industrienationen der Welt, vorstellen.

Europas massive Abhängigkeit von Energielieferungen aus dem Nahen Osten und Russland soll ebenfalls eingedämmt werden. Dank Fracking sind die USA wieder auf dem Weg zum größten Ölproduzenten der Welt und die EU ist bereit, vermehrt Flüssiggas aus Amerika zu importieren. Anstatt den grünen Zeigefinger zu erheben, sollte man dies als große Chance wahrnehmen, gegenüber der OPEC und Russland eine bessere Verhandlungsposition einnehmen zu können.

[Text: G.B.; Bild: Wikipedia.org/Norbert Kaiser; Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE]