Von der Trennung von Staat und Religion, die im Europa des 21. Jahrhunderts eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, scheinen die katholischen Bischöfe in Deutschland nicht viel zu halten. Im Gegenteil, gut ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl am 24. September mischt sich Kardinal Reinhard Marx in die Tagespolitik ein und erklärt die Alternative für Deutschland (AfD) für unwählbar. „Wir distanzieren uns klar vom populistischen Vorgehen und vielen inhaltlichen Haltungen der Partei“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

In einer Presseerklärung über die am Donnerstag zu Ende gegangene Frühjahrsvollversammlung werfen die bundesdeutschen Bischöfe der AfD das „Schüren von Fremdenfeindlichkeit, von Ängsten gegen Überfremdung, von einseitiger Betonung nationaler Interessen, einem nationalistisches Kulturverständnis“ vor. Wenn die AfD in ihrem Programmentwurf für die Bundestagswahl schreibt, „wir wollen unseren Nachkommen ein Land hinterlassen, das noch als unser Deutschland erkennbar ist“, dann nehmen die katholischen Würdenträger offenkundig Anstoß daran. Und dass die AfD die Werte wie Ehe und Familie betont und Maßnahmen ergreifen will, damit die Deutschen wieder mehr Kinder bekommen, ist den Bischöfen, die wegen ihrer zölibatären Lebensweise nichts zum Fortbestand des deutschen Volkes beitragen, schlichtweg egal.

Wenn es gegen die patriotische Partei geht, scheuen die Bischöfe auch nicht, Tatsachen zu verdrehen. So unterstellen sie in ihrer Erklärung der AfD, sie würde die repräsentative Demokratie „grundsätzlich infrage stellen“. Was die AfD vielmehr will, sind „Volksentscheide nach Schweizer Vorbild auch für Deutschland“. Und dass die Schweiz eine höher entwickeltere Demokratie hat als die Bundesrepublik Deutschland, bezweifelt kein vernünftig denkender Mensch. Aber Demokratie ist ja nicht etwas, wo sich die katholische Kirche Meriten erworben hat.

 

[Text: B. T.; Bild: Geolina163/wikimedia.org]