Lange Zeit wurde gebetsmühlenartig wiederholt, die demokratische Kandidatin Hillary Clinton sei die haushohe Favoritin für die US-Präsidentenwahl im November. Nun wird aber deutlich, dass ein spannendes Rennen ums Weiße Haus bevorsteht. Denn der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hat in einer Umfrage erstmals die ehemalige Außenministerin und Präsidentengattin überholt. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung von Reuters/Ipsos sprachen sich 40 Prozent für Trump und 41 Prozent für Clinton aus.

Der Kampf ums Weiße ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil Clinton und der Immobilien-Unternehmer Trump unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Clinton die von Wall Street, Hochfinanz und politischem Establishment favorisierte Kandidatin ist, steht Trump für außenpolitische Zurückhaltung und hemmungslosem Freihandel ablehnend gegenüber. Die frühere Außenministerin steht hingegen in der Tradition der neokonservativen Kriegstreiber.

Der Nachfolger Barack Obamas könnte Donald Trump heißen, wenn es dem für seine schillernden Auftritte bekannten Milliardär gelingt, die Anhänger des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers für sich zu gewinnen. Der Senator aus dem Bundesstaat Vermont, der sich selbst als „Sozialist“ bezeichnet, fügte im laufenden Vorwahlkampf Hillary Clinton einige schmerzhafte Niederlagen zu, wird aber ihre Nominierung als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten nicht mehr verhindern können. Die Anhänger Sanders sind wie Trump gegen das Establishment in Washington eingestellt und lehnen insbesondere die US-Freihandelspolitik ab. Trump kündige deshalb bereits an, die Sanders-Wähler umwerben zu wollen: „Bernies Leute mögen meine Position in der Handelspolitik.“

 

[Text: B. T.; Bild: Trump/Facebook]