Für die Türkei ist der sogenannte „Islamische Staat“, der sich in Teilen Syriens ausgebreitet hat, offenbar weniger bedrohlich als die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Denn die türkische Luftwaffe fliegt nach einem Terroranschlag in Suruc, nahe der Grenze zu Syrien, zwar Luftangriffe gegen Stellungen des IS, aber weitaus mehr Luftschläge gelten der PKK in den irakischen Kurdengebieten bzw. ihrem syrischen Ableger YPG. Nach Angaben der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) habe die türkische Armee in der Umgebung von Kobane mehrere ihrer Stellungen beschossen und dabei vier Anti-IS-Kämpfer und Zivilisten verletzt.

Zuvor hatte Ankara das Einsickern von Dschihadisten von türkischem Staatsgebiet nach Syrien zumindest geduldet. Für Recep Tayyip Erdogan, dem langjährigen Premier, der vor knapp einem Jahr Staatspräsident wurde, war der Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad das erklärte Ziel, weshalb er ein Erstarken der Dschihadisten im Nachbarland zumindest billigend in Kauf nahm.

Die Türkei, die immerhin ein EU-Beitrittskandidat ist, droht immer mehr in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen zu werden. So meinte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu: „Unsere Militäroperationen in Syrien und im Irak haben die Spielregeln in der Region verändert.“

 

B. T.

 

 

(Bild: SAC Helen Farrer RAF Mobile News Team/wikimedia.org)