In der Schweiz haben im Vorjahr bis Ende November 8.166 Personen ihr Asylverfahren „abgebrochen“, wie es in der Behördensprache heißt, und sind einfach untergetaucht. Gegenüber dem Jahr 2015 bedeutet das fast eine Verdoppelung, wie der Sprecher des Staatssekretariats für Migration (SEM), Martin Reichlin, der Zeitung „Schweiz am Sonntag“ sagte. Hauptgrund sei die verschärfte und beschleunigte Asylpraxis in der Schweiz. „Asylsuchende ohne Aussicht auf einen Verbleib werden über ihre geringen Chancen relativ rasch informiert“, wird Reichlin zitiert. Die Untergetauchten ziehen in andere Länder, vor allem Deutschland, weiter.

Laut SEM stammt die Mehrzahl der untergetauchten Einwanderer aus afrikanischen Ländern. So weist die Statistik des Staatssekretariats 801 Personen aus Eritrea, 792 aus Gambia, 716 aus Nigeria, 508 aus Guinea, 504 aus Algerien und 494 aus Somalia aus, die ihr Asylverfahren „abbrechen“. Das deutet darauf hin, dass sie keine politisch Verfolgten sondern gewöhnliche Einwanderer sind, die das Asylsystem missbrauchen.

Aber das ist nur ein Teil des Problems. Denn es kommen noch einige tausend Personen hinzu, die als „rechtswidrig Eingereiste“, also als illegale Einwanderer von den Grenzwachtkorps oder der Polizei aufgegriffen und den Einwanderungsbehörden zur Registrierung übergeben werden, dort aber nie ankommen. „Über ihre Zahl kann nur spekuliert werden“, schreibt „Schweiz am Sonntag“. Allein in den Sommermonaten Juni, Juli und August sind auf diese Weise über 3.000 Einwanderer „verschwunden“. Das SEM musste damals einräumen, dass „bis zu 40 Prozent“ der illegalen Einwanderer untertauchen – und damit ein Sicherheitsrisiko darstellen.

[Text: B.T. Bild: wikipedia.org VOA - Nicolas Pinault]