Der gegenwärtig zu Ende gehende US-Wahlkampf wird naturgemäß weltweit wahrgenommen, handelt es sich bei den Vereinigten Staaten von Amerika doch um die einzige wirkliche Supermacht dieses Planeten. Und dieser Wahlkampf mit seinen Themen und seinen mehr oder minder unappetitlichen Auseinandersetzungen sagt auch einiges aus über das gesellschaftliche und politische Klima in den USA und wohl auch insgesamt über so etwas wie einen US-amerikanischen „Nationalcharakter“.

Zuerst einmal sind es ja zwei millionenschwere US-Bürger, die sich da als Kandidaten gegenüberstehen: Der Immobilien-Tycoon Donald Trump und die Politikone Hillary Clinton, vormals First Lady, danach Senatorin und auch noch Außenministerin. Es stellt sich zuerst schon einmal die Frage, ob in den USA nur Multimillionäre an die politische Spitze kommen können. Auf gut Deutsch also, ob man es sich auch leisten können muss, Präsidentschaftskandidat zu werden. Vorwahlkampf und Wahlkampf selbst kosten ja einiges, und das für die USA typische Fundraising der Kandidaten ist wohl mehr oder weniger eine Mischung aus Erpressung, Bettelei und Bestechung. Denn jene, die da gewaltige Gelder zuschießen, erwarten sich ja auch etwas für ihre Spenden.

Kurios ist ja auch, dass es nur zwei Parteien gibt, deren Kandidaten überhaupt Aussichten haben, gewählt zu werden. Seit dem 19. Jahrhundert sind eben Republikaner und Demokraten offenbar die Kehrseiten ein und derselben Medaille, die das politische System beherrschen. Die einen eher rechts, die anderen eher links, um es pauschal zu benennen. Und doch ist es in diesem Jahr eine besondere Polarisierung, die hier stattfindet: Hillary Clinton, die Kandidatin der politisch korrekten Zeitgeistler, der linksgepolten Medien und vielleicht auch der multi-nationalen Konzerne und der rüpelhafte Donald Trump als Kandidat der einfachen Leute, des flachen Landes und – der übliche Soziologen-Quatsch – der „Veränderungsverlierer“. Dass eben derselbe Donald Trump, so sehr sein Bild von den linken Medien auch verzerrt werden mag, nicht gerade ein vornehmer Gentleman ist, steht nun außer Zweifel. Gerade aber im Amerika der sich fast schon ins Unerträgliche steigenden Political Correctness dürfte es aber auf breite Bevölkerungsschichten erfrischend wirken, wenn da so einer redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Und dass der gute Mann zeitlebens ein „Womanizer“ war, so quasi eine Mischung zwischen Gunter Sachs und Richard Lugner, wusste man auch. Dass er nunmehr just über sexistische Sprüche stolpern soll, ist aber doch nur erklärbar angesichts der typischen US-amerikanischen Prüderie.

 

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[Bild: jordanuhl7/flickr]