Im Zuge des derzeitigen Asylchaos wird immer wieder gern darauf hingewiesen, dass Deutschland einen großen Fachkräftemangel habe und daher die derzeitige massenhafte Zuwanderung die große Möglichkeit sei, dieses Problem zu beheben. Wirtschaftsexperten sehen dies allerdings meist anders. So etwa der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung an der Universität München, Hans-Werner Sinn. Dieser erklärte, der Glaube, der Flüchtlingsstrom sei die Lösung für den Fachkräftemangel der Wirtschaft, wäre eine „völlige Verkennung der Situation.“

Zwar seien die meisten Flüchtlinge laut Sinn in der richtigen Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen, jedoch hätten 22 Prozent keinen Hauptschulabschluss, und 15 Prozent der Syrer und 68 Prozent der Afghanen seien Analphabeten.

Die einzige Möglichkeit, diese Massen am Arbeitsmarkt unterzubringen, sieht der ifo-Präsident nur dann, wenn Flüchtlinge sofort Deutsch lernen, zur Schule gehen und eine Berufsausbildung machen können, sonst würden sie nur im Niedriglohnsektor unterkommen. Die Prognose von Daimler-Chef Dieter Zetsche, die Zuwanderung könne für ein neues deutsches Wirtschaftswunder sorgen, kritisierte Sinn: „Er braucht halt Fließband-Arbeiter. Die sozialen Kosten überlässt er der Gemeinschaft.“

Zu ähnlichen Schlüssen kommt auch eine freiwillige Befragung von 400.000 Flüchtlingen durch die Bundesagentur für Arbeit. Demnach haben 81 Prozent der Asylbewerber keinen Berufs- oder Studienabschluss, oder keine Nachweise dafür. Lediglich sieben Prozent der Befragten verfügten über eine akademische Ausbildung und elf Prozent über eine berufliche Ausbildung. Allerdings betonte man, dass die Befragung keineswegs repräsentativ sei. Zudem gelte die Einstufung „ohne formale Qualifikation“ auch für Asylbewerber, die keinen Nachweis für ihren Berufsabschluss vorlegen könnten.

Und entgegen den Behauptungen von Kanzlerin Merkel, es werde keine Steuererhöhung aufgrund ihrer unverantwortlichen Einwanderungspolitik geben, sieht der Freiburger Wirtschaftswissenschafter Bernd Raffelhüschen das deutsche Sozialsystem auf einen derartigen Ansturm nicht vorbereitet. „Die Folgen werden massive Steuererhöhungen sein“, erklärte er auf einer Fachtagung und ergänzte, dass es in Deutschland bereits Hunderttausende unqualifizierte Arbeitslose gebe. „Es kommen jetzt bis zu 1,5 Millionen Menschen dazu, von denen etwa 70 Prozent ebenfalls unqualifiziert sind“, so Raffelhüschen, der bezweifelt, dass die Mehrzahl der Zuwanderer in den Arbeitsmarkt integriert werden können, „Es wird eher eine Integration in die sozialen Sicherungssysteme.“

Doch nur 30 Prozent der ausländischen Auszubildenden halten die Lehrzeit durch, zeigt eine Hochrechnung der bayerischen Handelskammer. 70 Prozent der jüngeren Flüchtlinge würden ihre Ausbildung abbrechen, sei es, weil die Jugendlichen das duale Ausbildungssystem nicht akzeptieren oder sei es, dass sie schneller in den Arbeitsmarkt einsteigen wollen, zu Dumpinglöhnen.

 

 

Text. M. H.
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