Seit dem 28. Dezember kommt es in zahlreichen iranischen Städten zu teils gewalttätigen Protesten, die bereits mehrere Todesopfer forderten. Diese Proteste richten sich – so die westliche Lesart – gegen sinkenden Lebensstandard, Wirtschaftsmisere und Korruption. Allerdings waren bei den Protestkundgebungen auch Rufe zu hören, mit denen Ajatollah Ali Khamenei, dem geistlichen Führer der Islamischen Republik, der Tod gewünscht wurde. Die iranische Führung sieht das Ausland, insbesondere die USA und Israel, als treibende Kraft hinter den Protesten. US-Präsident Donald Trump etwa drückte über Twitter seinen „Respekt für das iranische Volk“ aus, weil dieses „versucht, seine korrupte Regierung loszuwerden“. Außerdem werde man „große Unterstützung durch die Vereinigten Staaten zur angemessenen Zeit sehen“.

Tatsächlich gibt es Hinweise, die darauf hindeuten, dass die iranischen Regimegegner bereits seit Längerem von den USA unterstützt werden. So etwa ist das „National Endowment for Democracy“ (NED) seit Jahren im Iran aktiv. In den Jahren 2014 bis 2016 investierte die staatlich finanzierte „Nationale Demokratiestiftung“, die auch als „ziviler Arm der CIA“ bezeichnet wird, laut eigenen Angaben 2,948.733 US-Dollar in die „Demokratieförderung“ im Iran. Ein Schwerpunkt der Aktivitäten des NED liegt in der Schulung von Regimegegnern, damit diese ihre Kommunikation besser vernetzen und damit Protestkundgebungen effektiver organisieren können. Bei der Organisation der gegenwärtigen Proteste spielen soziale Medien eine besonders wichtige Rolle. Wühlarbeit gegen den Iran betreiben bzw. betrieben auch die Parteistiftungen von Republikanern und Demokraten.

Auch fällt auf, dass sich der Unmut der Demonstranten nicht nur gegen die zweifelsohne schlechte Wirtschaftslage richtet, sondern gegen die Führung selbst. Damit aber wird die Forderung der USA (und Israels) nach einem Regimewechsel in Teheran aufgegriffen, wie der US-Journalist Brandon Turbeville vom Internetmedium „Activist Post“ betont: „Die Demonstranten fordern einen Rücktritt des Ajatollahs (Khamenei, Anm.) und des Präsidenten (Hassan Rohani, Anm.). Mit anderen Worten: sie fordern einen Regimewechsel. Das ist genau das, was die Vereinigten Staaten, der Golf-Kooperationsrat, die NATO und Israel sehen möchten“.

Hinzu kommt, dass in Washington seit Jahren mögliche Szenarien für einen Umsturz in Teheran diskutiert werden. 2009 etwa veröffentlichte die angesehene Denkfabrik Brookings Institution einen Bericht, in dem mehrere Szenarien für einen Regimewechsel in Teheran – von einem Militärschlag bis hin zum Anzetteln einer „Farbenrevolution nach osteuropäischem Vorbild“ – durchgespielt werden.

 

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[Bild: voanews.com]