Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 versuchen die USA, mit „gezielten Tötungen“ ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Feinde auszuschalten. Durchgeführt werden diese „gezielten Tötungen“ in der Regel von Drohnen, und bei den Zielen handelt es sich um Angehörige von Al Kaida, Taliban oder anderen islamistischen Gruppen. Allerdings sterben bei den US-Angriffen weniger finstere Islamisten, sondern vor allem unbeteiligte Zivilisten.

Wie die Aufdeckungsplattform „The Intercept“ nun unter Berufung aus zugespielte Dokumente aus dem Regierungsapparat berichtet, sind bis zu 90 Prozent der Opfer der Drohneneinsätze Unbeteiligte. Unter anderem informiert „The Intercept“ die Öffentlichkeit über die Operation „Haymaker“ („Heumacher“), die zwischen Jänner 2012 und Februar 2013 im Norden Afghanistans durchgeführt wurde. Wörtlich heißt es: „Die Luftschläge der USA töteten mehr als 200 Menschen. Von diesen waren nur 35 beabsichtigte Ziele.“ Und an anderer Stelle wird festgestellt, dass während eines fünfmonatigen Untersuchungszeitraums „fast 90 Prozent der getöteten Menschen nicht die beabsichtigten Ziele waren“. Darüber hinaus geht „The Intercept“ davon aus, dass bei US-Angriffen im Jemen und in Somalia ähnlich viele Zivilisten getötet werden wie in Afghanistan.

Der Einsatz der Drohnen ist nicht unumstritten. Einerseits sind die „gezielten Tötungen“ nichts anderes als staatlich sanktionierter Mord. Andererseits bewirken insbesondere die zahlreichen zivilen Opfer einen Zulauf zu islamistischen Gruppen. So schrieben Ende November vier ehemalige Mitglieder der US-Luftwaffe, die an Drohneneinsätzen beteiligt waren, in einem offenen Brief an Präsident Barack Obama, das Vorgehen der USA wäre vergleichbar mit einem „Rekrutierungsprogramm für Terroristen“.

 

 

Text: B. T.
Bild: US-Army/wikimedia.org