In den ohnedies schon angespannten Beziehungen zu Russland wollen die USA und die NATO noch mehr Öl ins Feuer gießen, wie eine kürzlich getätigte Aussage von Curtis Scaparrotti beweist. Der US-Armeegeneral, der seit 3. Mai Oberbefehlshaber des Supreme Allied Commander Europe (SACEUR) der NATO in Europa ist, fordert vom Westen die Bewaffnung der Ukraine, damit diese die prorussischen Separatisten im Osten des Landes besser bekämpfen kann.

Bekanntlich haben sich für Washington die Dinge in der Ukraine nach dem inszenierten Staatsstreich vom Februar 2014 nicht nach Wunsch entwickelt. Auch die „neue“ Ukraine ist von Korruption geplagt, die Wirtschaftsdaten zeigen genauso steil nach unten wie die Beliebtheitswerte von Präsident Petro Poroschenko. Ein militärisches Abenteuer in der Ostukraine könnte somit den US-Günstlingen in Kiew eine Atempause verschaffen.

Die Nachrichtenagentur AP zitiert Scaparrotti mit folgenden Worten: „Ich glaube, wir sollten die Ukrainer mit dem versorgen, was sie brauchen, um erfolgreich ihr Territorium und ihre Souveränität zu verteidigen. Als SACEUR werde ich mir das ansehen, insbesondere weil ich eruieren muss, welche Waffen sich diesbezüglich am besten eignen, welche Fähigkeiten sie aufweisen sollen, was sie benutzen können und was an Ausstattung zu den Streitkräften passt, die sie derzeit aufweisen. Und ich werde, sobald ich dazu kommen werde diese Aufgabe wahrzunehmen, eine überlegtere Entscheidung treffen.“

Bei dieser Aussage handelt es sich keinesfalls um die Privatmeinung des Generals. Vielmehr ist davon auszugehen, dass Scaparrottis Äußerung mit dem Weißen Haus sowie dem US-Verteidigungsministerium akkordiert ist. Um den ungeliebten geopolitischen Rivalen Russland in die Knie zu zwingen, sind die USA bereit, in Europa einen Krieg zu provozieren. Denn eine Bewaffnung der Ukraine durch USA und NATO und ein Wiederaufflammen der Kämpfe im Donbass hat das Potential, dass auch Russland zum Schutz der russischen Bevölkerung im Osten der Ukraine militärisch eingreifen könnte.

 

[Text: B. T.; Bild: Navy Petty Officer 1st Class Tim D. Godbee/defense.gov]