Der Wahlkampf macht es möglich. Van der Bellen, der sich selbst als Atheisten bezeichnet hatte, wandert nun ein gutes Monat vor der Stichwahl plötzlich auf Pilgerfüßen. Mit sechs roten und schwarzen Bürgermeistern aus Niederösterreich absolvierte er den Bußweg von Marbach an der Donau hinauf zur Wallfahrtskirche Maria Taferl. Vor deren Tor hielt er eine Ansprache und bekannte, sich mit Sünden beladen zu haben und nun „ein paar davon losgeworden zu sein“.

Für diesen Wahlkampfgag hatten nicht alle Verständnis. Passanten, die die „Zur Zeit“ informierten fanden diesen billigen Opportunismus „zum Himmel stinkend“.

„Es sei wohl der Gipfel der Geschmacklosigkeit, sich religiöser Riten zu bedienen, um um Wählerstimmen zu buhlen. Das wäre genau so, wie wenn der Teufel aus dem Weihwasserkessel schlürfen würde, um sich gottgefällig zu erweisen“ empörten sich gläubige Beobachter dieser skurrilen Szene.

 

[Text: W. T.; Bild: Parlamentsdirektion/WILKE]