Die gestrige erste Konfrontation der beiden Kandidaten für die Stichwahl zum österreichischen Bundespräsidenten zeigte einen souveränen Norbert Hofer, der wie gewohnt, seinen Positionen treu blieb und in seiner unnachahmlich ruhigen und verbindlichen Art einmal mehr das Publikum überzeugte. Ganz anders der grüne Gegenkandidat Alexander Van der Bellen. Er, der nach der ersten Wahl am vergangenen Sonntag 13 Prozentpunkte hinter Hofer zurückliegt, versucht nun auf Stimmenfang zu gehen, indem er immer mehr von seinen ursprünglichen Positionen abrückt und plötzlich für das Gegenteil steht.

Bisher hatte er sich für das Freihandelsabkommen mit den USA ausgesprochen. „Als Ökonom bin ich natürlich ein Anhänger des Freihandels. Bei TTIP gibt es verschiedene Probleme, die sich aber lösen lassen“, sagte Van der Bellen noch im September in der Tageszeitung „Die Presse“. Als gestern Norbert Hofer seinen stets vertretenen Standpunkt, er würde TTIP als Bundespräsident nicht unterzeichnen, bekräftigte, erklärte Van der Bellen plötzlich jovial, dass er da mit Hofer etwas gemein hätte und er es ebenfalls nicht unterschreiben würde.

Soviel opportunistisches Jonglieren mit wichtigen Themen mag bei einem drittrangigen Provinzpolitiker vielleicht noch erklärbar sein, bei einem Kandidaten, der das höchste Amt im Staat anstrebt ist es schlichtweg intolerabel. Dabei sollte Van der Bellen aus diesen Fehlern ja bereits gelernt haben. Zu Beginn des Wahlkampfes war er noch bei 36 Prozent gestartet. Am Ende, nach zahlreichen Kehrtwendungen und Täuschungsmanövern hatte er dann fast 15 Prozentpunkte verloren.

 

[Text: W. T.; Bild: Parlamentsdirektion/Wilke]