Wir erinnern uns noch gut an den Präsidentschaftswahlkampf. Ein überparteilicher Bundespräsident wolle er sein, wurde Alexander Van der Bellen nicht müde oft genug zu betonen. Kein Appendix der Grünen. Sogar das Parteibuch hat er abgelegt vor Wahlkampfeintritt – allerdings leider nur symbolisch.

Denn immer häufiger mischt sich der alter Herr in der Hofburg nicht nur in die Angelegenheiten der Regierung, sondern kommentiert auch von Zeit zu Zeit Stellungnahmen einer einzelnen Partei: der FPÖ. So erst kürzlich, als er ihr vorwarf, die Caritas „beflegelt“ zu haben. Das sei „nicht in Ordnung“. Sehr überparteilich.

Überhaupt scheint ihm seine Gefolgschaft noch immer nicht über die eigentlichen Aufgaben eines Bundespräsidenten aufgeklärt zu haben: Repräsentation. Oberbefehl. Oberstes Verwaltungsorgan. Ein Grüßaugust also, der aller Länder Herren die Hände schütteln darf und unterfertigen sollte, was der Nationalrat beschließt. Das war’s im Wesentlichen.

Dass bei einer so spärlichen Aufgabenverteilung natürlich Zeit bleibt für Nebensächliches, ist noch verständlich. Dass diese Zeit allerdings mit überflüssigen Interviews und unpässlichen Stellungnahmen ausgefüllt wird, schon weniger. Gar nicht schließlich, dass diese Interviews stets in einer kindischen Abreaktion am politischen Mitbewerber enden. „Mitbewerber“ deshalb, weil Herr Van der Bellen sein Parteibuch im tiefsten Grunde seines grünen Herzens nie abgelegt hat.

Er tut also Tag für Tag, was er seinerzeit im Wahlkampf von seinem Gegenkandidaten ach so fürchtete: Dass er sich laufend in die Tagespolitik einmischen könnte und nicht überparteilich agieren würde.

[Text: A.L.; Bild: wikipedia.org/Christian Jansky; Lizenz: CC BY 2.0]