Während Van der Bellen „Heimat“ plakatieren lässt, kann es ihm offenbar nicht schnell genug gehen, bis Österreich in einem europäischen Bundesstaat aufgeht. So sagte er am 4. März 2016 bei einer Veranstaltung der Bundestagsfraktion der deutschen Grünen in Berlin: „Wenn es die EU nicht gäbe, müssten wir sie erfinden“, und außerdem sei er „persönlich ein Freund der Vereinigten Staaten von Europa“. Und im Vorjahr sprach der Herr Professor von der „Illusion nationaler Souveränität oder nationaler Freiheit“, und wenn er sich etwas wünschen dürfe, dann, dass „die EU regierbar wird, ein echter Staat wird“, in welchem die 28 Mitgliedstaaten nichts mehr mitzureden haben. Österreich soll also – wie die übrigen EU-Staaten auch – zu einer Provinz werden, die von der Brüsseler Zentrale gelenkt wird. Und mehr Zentralismus bedeutet auch mehr Regulierungswahn, mehr Verbote und Bevormundung, mehr Bürokratie und mehr Geldverschwendung.
Darüber hinaus sprach sich Van der Bellen – genauso wie viele andere seiner grünen Gesinnungsfreunde – für einen EU-Beitritt der Türkei aus. „Ich bin zum Beispiel dafür, Verhandlungen mit der Türkei über einen EU-Beitritt zu führen“, erklärte er am 6. Dezember 2008 in der „Presse“. Dass die türkische AKP-Regierung bereits damals an der Islamisierung des Landes arbeitete und in Sachen Presse- und Meinungsfreiheit Einschränkungen zu verzeichnen waren, bereitete dem sonst so menschenrechtebewegten Grünen-Chef offenbar keine Sorgenfalten.
Für einen EU-Bundesstaat, den es „auf Dauer“ geben müsse, trat der Van der Bellen übrigens bereits am 15. Jänner 1997 gegenüber der „Presse“ ein. In dem Interview ging es um die bevorstehende Währungsunion, und der damalige Wirtschaftssprecher der Grünen ließ mit den Bemerkungen aufhorchen, „aus wirtschaftlicher Sicht wäre diese Art der Konvergenzkriterien nicht notwendig gewesen“ und „von mir aus könnten alle 15 (damaligen EU-Mitglieder, Anm.) von Anfang an dabei sein“.
Wenn Van der Bellen die Konvergenzkriterien, die in Bezug auf Inflation und Budgetdefizit und Staatsverschuldung die Teilnahme am Euro regeln, für „nicht notwendig“ hält und alle EU-Staaten in der Währungsunion sehen möchte, dann bedeutet das nichts anderes, als dass er eine Schuldenund Umverteilungsunion befürwortet. Eine Schuldenunion, zu der die Euro-Zone dann mit Griechenland auch wurde. Bei seinem EU-Fanatismus nimmt der Ex-Wirtschaftsprofessor sogar einen Anstieg der Arbeitslosigkeit in Kauf. So erklärte Van der Bellen 1997, der Euro werde für die Beschäftigung „im besten Fall neutral sein, wenn nicht sogar leicht negativ“. An dieser Aussage lässt sich auch erkennen, wie es um das soziale Gewissen des Grünen bestellt ist.