Es war eigentlich für niemanden überraschend. Maria Vassilakou, seit fünf Jahren im Schlepptau Michael Häupls in der Wiener Stadtregierung will dieses Faulbett der Macht nicht verlassen. Hatte sie im Wahlkampf noch vollmundig angekündigt, zurücktreten zu wollen, wenn ein „Minus“ vor dem Ergebnis der Grünen stehen würde, war davon am Wahlabend nichts mehr zu hören. Von Moderator Paul Tesarek auf ihr Versprechen angesprochen, wand sie sich nach Strich und Faden und beschwor das unwahrscheinliche Wunder, dass die ausgezählten Wahlkarten das verlorene Mandat der Grünen zurückbringen würden.

Tesarek, der sie darauf hinwies, dass sich an dem Minus vor den erhaltenen Stimmen nichts ändern würde, vergaß nachzufragen, ob demnach der Rücktritt erfolgte, wenn dieses Wunder nicht einträte und auch vor den Mandaten der Grünen das Minus stehen bleiben würde. Allein, sie hätte wahrscheinlich auch auf diese Frage keine ordentliche Antwort gewusst und wäre ihr ebenfalls nebulös ausgewichen. Davon aber unabhängig braucht sich niemand der Illusion hingeben, dass Vassilakou sich an das halten würde, was versprochen hatte. Denken wir nur an die Vereinbarung das Wahlrecht betreffend.

Die damalige Opposition Freiheitliche, ÖVP und Grüne unterfertigten eine schriftliche Vereinbarung, dass jene Partei, die in Koalition mit der SPÖ kommen würde, ihren Regierungspartner zwingen würde das Wiener Mehrheitswahlrecht zu ändern. Vassilakou und die Grünen kamen in die Regierung und „vergaßen“ ungeniert auf ihr Versprechen bis knapp ein Jahr vor Ablauf dieser Regierung. Dann wechselte ein Grüner zu den Roten und die nötige Mehrheit war weg.

In der Diskussionsrunde des ORF meinten die, gewiss den Grünen nicht negativ gegenüber stehenden Journalistinnen von Standard und der Süddeutschen unisono, dass Vassilakou zurücktreten müsse.

 

 

Text: W. T.
Bild: Franz Johann Morgenbesser/Flickr