Rund 30 Menschen kamen im April in Venezuela bei Ausschreitungen ums Leben. Aber nicht alle wurden Opfer der Sicherheitskräfte, die der Regierung des sozialistischen Präsidenten Nicolas Maduro unterstehen, wie es westliche Medien weismachen wollen. Einmal wurde ein 14-Jähriger von einer Gruppe Maskierter erschossen, die in einem Wohnviertel wahllos auf Menschen feuerten, ein anderes Mal starb ein Polizist direkt vor einer Oppositionskundgebung durch eine Kugel in die Brust. Vier Jahre nach dem Tod des charismatischen Präsidenten Hugo Chavez steht somit das süd-amerikanische Land am Rande des Abgrunds.

Nachfolger Maduro macht für die explosive Lage die USA verantwortlich, die ihn – so der Vorwurf – stürzen wollen. In der Tat ist Washington die linkssozialistische Regierung in Caracas, die obendrein enge Beziehungen zu China und Russland pflegt, ein Dorn im Auge. Im Jahr 2014 etwa waren im Budget der Entwicklungshilfebehörde USAID fünf Millionen Dollar eingeplant, „um zu helfen, die venezolanische Zivilgesellschaft und die demokratischen Institutionen zu stärken“. Mit dem Geld werde „die Zivilgesellschaft und Menschenrechtsorganisationen unterstützt“.

Auch 2017 hat Washington großes Interesse an Venezuela, dem Land mit den weltweit größten Erdölreserven. So sagte Anfang März Shannon O’Neil von der einflussreichen Denkfabrik Council on Foreign Relations bei einer Anhörung des außenpolitischen Ausschusses des Senats: „Venezuelas autoritäre Wende untergräbt die Ideale und außenpolitischen Ziele der USA. Die Bekämpfung grundlegender politischer und bürgerlicher Rechte läuft unmittelbar politischen Zielen der USA wie Wahrung und Förderung der Demokratie zuwider.“ „Förderung der Demokratie“ bedeutet in diesem Fall nichts anderes als die Ausweitung der Einflusssphäre Washingtons. O’Neil spricht sich deshalb dafür aus „Vorbereitungen für einen Wechsel“ zu treffen. Ein (Regime)-Wechsel werde wahrscheinlich zwar durch die Venezolaner selbst kommen, jedoch müssten Vorbereitungen unternommen werden, um einer künftigen, den USA aufgeschlossenen Regierung zu helfen, mit dem wirtschaftlichen und finanziellen Chaos fertig zu werden.

 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der neuen Ausgabe der Zur Zeit, entweder hier als E-Paper, oder ab Freitag in Ihrem Kiosk.

 

[Bild: Andrés E. Azpúrua/wikimedia.org]