Offiziell wollen die USA mit ihrer Unterstützung für den selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaido der Demokratie in Venezuela zum Durchbruch verhelfen. Tatsächlich geht es Washington aber um handfeste Wirtschaftsinteressen, nämlich ums Erdöl. Schließlich hat Venezuela die weltweitweit größten Erdölreserven, die für die USA nutzbar gemacht werden sollen.

Aufschlussreich ist diesbezüglich ein Bericht des Energie-Informationsdienstes S&P Global Platts, das wie die bekannte Ratingagentur S&P zum großen US-Finanzdienstleister S&P Global Inc. gehört. S&P Global Platts schreibt, „Guaido plant ein neues nationales Erdöl- und Erdgasgesetz, das flexible steuerliche und vertragliche Bedingungen für Projekte festlegt, die an den Erdölpreis und den Erdöl-Investitionskreislauf angepasst sind“. Außerdem plane Guaido ein Antikorruptionsgesetz, das auf die staatliche Erdölgesellschaft PDVSA abzielt. Außerdem soll eine neue Erdöl- und Erdgasbehörde geschaffen werden, die für das Bieterverfahren zuständig ist.

Bis weit in die 1990er Jahre hinein machten US-amerikanische Energiekonzerne wie Exxon und Halliburton gute Geschäfte in dem südamerikanischen Land. Das änderte sich, nachdem 1999 Hugo Chavez, der Vorgänger des jetzigen Präsidenten Nicolas Maduro, an die Macht kam. Ausländische Energiekonzerne wurden an die kurze Leine genommen, was sich in sinkenden Profiten, wenn nicht sogar Verlusten widerspiegelte. So berichtete am 23. April 2018 die „New York Times“, dass Halliburton in Venezuela 312 Millionen US-Dollar abschreiben musste, weil „die Erdölproduktion in dem politisch zerrissenen und praktisch bankrotten Land weiterhin sinkt“. Zudem berichtet die Zeitung, dass Halliburton 2017 sogar 647 Millionen Dollar in Venezuela abschreiben musste.

[Text: B.T.; Bild: www.wikipedia.org/Alexcocopro; Lizenz: CC BY-SA 4.0]