Nach den Vereinigten Staaten setzt nun auch Europa auf die Geldvermehrung. Das was in den zwanziger Jahren die Hyperinflation, Massenarbeitslosigkeit und die Vernichtung von Vermögen gebracht hat, wird nun seitens der Europäischen Zentralbank zur Belebung der Konjunktur, und, wie Mario Draghi es ausdrückte, zur Bekämpfung der Deflation eingesetzt. Die unvorstellbare Summe von 1.140.000.000.000 (in Worten 1,14 Billionen oder 1.140 Milliarden) Euro sollen über Anleihenkäufe in den Bankenapparat gepumpt werden. Vorbild für diese Geldvermehrung ist die Amerikanische Notenbank, die bereits vor zwei Jahren zu dieser Maßnahme gegriffen hat und heute auf den Erfolg, ein hohes Wirtschaftswachstum verweisen kann. Es wird dabei allerdings nicht in Betracht gezogen, dass die Situation in den meisten europäischen Staaten eine andere ist, weil hier nicht der Geldmangel bei den Banken Grund für zu wenig Investitionen ist, sondern die geringe Nachfrage seitens der Wirtschaft, die wiederum unter der zu geringen Konsumentennachfrage leidet.

Aus diesem Grund sind die Stimmen gerade in Deutschland und auch Österreich zu der EZB-Maßnahme eher negativ. So auch die des Nationalbankgouverneurs Ewald Nowotny. Vom ORF befragt, äußerte er sich zurückhaltend und verwies auf die Schweigepflicht hinsichtlich des Abstimmungsverhaltens. Dann aber, als er auf die Folgen für den österreichischen Steuerzahler angesprochen wurde, meinte er, es würde keine geben, lediglich die Österreichische Nationalbank müsse rund 3 Milliarden dieser Anleihen aufkaufen. Das was er verschluckend, fast unhörbar für den Seher hinzufügte war, dass es pro Monat 3 Milliarden seien. Tatsächlich ist es auch so, dass Österreich mit 2,8 Prozent an der EZB beteiligt ist und 2,8 Prozent von den 1,14 Billionen, also genau 31,92 Milliarden aufbringen muss. Und wenn eine Staatsausgabe von 31.92 Milliarden, von denen er nichts hat und wahrscheinlich auch nur mehr einen Bruchteil zurückbekommt, den Steuerzahler nicht betreffen soll, was soll ihn dann überhaupt betreffen?

 

W. T.

 

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(Bild: EZB)