Silvia Stantejsky, die fristlos entlassene Vizedirektorin, steht im Mittelpunkt des sogenannten Burgtheater-Skandals. Als kaufmännische Geschäftsführerin soll sie zwischen 2008 und 2013 einen Verlust in zweistelliger Millionenhöhe verursacht haben, zudem – es gilt die Unschuldsvermutung – ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft. Die gegen Stantejsky erhobenen Vorwürfe zeigen aber auch das Versagen der internen Kontrollmechanismen im Burgtheater, weshalb bereits am 8. Mai 2014 der „Standard“ die Fragen stellte, ob „jemand über die ‚dolosen Handlungen‘ von Stantejski Bescheid wusste“ und „warum niemand zeitgerecht reagiert hat“. Die „Mutter der Kompagnie“ war schließlich viele Jahre die Stellvertreterin von Thomas Drozda, dem Geschäftsführer, bis zum Sommer 2008, heißt es weiter.

Thomas Drozda (SPÖ) ist seit Mitte Mai als Kanzleramtsminister für die Kulturagenden zuständig. Und damit auch für den Bundestheater-Konzern, zu dem auch das Burgtheater gehört und der heuer eine „Basisabgeltung“ in Höhe von 162,936 Millionen Euro aus Steuergeldern erhält, von der rund ein Drittel ans Burgtheater geht.

Ein düsteres Licht auf Drozda – vor seiner Bestellung zum Burgtheater-Geschäftsführer verdiente der gebürtige Oberösterreicher als Berater der SPÖ-Bundeskanzler Franz Vranitzky und Viktor Klima seinen Lebensunterhalt – wirft auch ein aktueller Bericht des Rechnungshofes (RH). Gleich zu Beginn wird moniert, dass die Burgtheater GmbH an den früheren künstlerischen Geschäftsführer ab der Vorbereitungszeit (2006) – also in Drozdas Amtszeit – bis zu seiner Entlassung (2014) rund 2,23 Mio. Euro auszahlte und „diesen Auszahlungen nicht immer einen nachvollziehbaren Leistungsgrund zuordnete“.

An Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt auch die Kritik des Rechnungshofes am „internen Kontrollsystem der Hauptkasse“. Hier geht es um Bar-auszahlungen an Beschäftigte und Werkvertragsnehmer wobei „für 80 Prozent dieser Buchungen oder 14,62 Millionen Euro dieser Auszahlungen keine Belege vorlagen“. Insgesamt wurden knapp über 21 Millionen Euro als „Akonti“ ausgezahlt. Dabei handelte es sich um Bezüge, Honorare, Reisekosten, Vorschüsse und Aufwandersätze, aber auch um „Zahlungen unbekannten Zwecks“.

 

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[Bild: SPÖ Presse und Kommunikation/flickr]