Geheimdienste und Polizei sind besorgt: Durch die mangelhaften Grenzkontrollen und die fehlende Registrierung von Asylwerbern an den deutschen Grenzen befürchten die Behörden, dass knapp 150.000 Personen untergetaucht sein könnten. Niemand wisse, wieviele Asylsuchende sich tatsächlich in Deutschland aufhielten, so das Bundesinnenministerium. Rund 13 Prozent der Menschen, die 2015 als Asylsuchende in Deutschland registriert worden sind, seien nicht bei der zuständigen Aufnahmeeinrichtung angekommen. Als mögliche Gründe für diese hohe Zahl an abgängigen Asylwerbern schreibt die Bundesregierung in einer Anfragebeantwortung an die Linke-Politikerin Ulla Jelpke: „Die Zahl ergibt sich daraus, dass etliche Flüchtlinge in andere Länder weiterreisten, oder in die Illegalität abtauchten.“

Besonders brisant werden diese Zahlen, wenn man die verschiedenen Warnungen der Sicherheitsbehörden betrachtet, die von bis zu 6.000 potentiellen IS-Sympathisanten ausgehen, die sich unter dem Deckmantel des Asyls über die Flüchtlingsrouten nach Europa begeben hätten. Hochrangige Staatsschützer sind daher mit Recht beunruhigt, dass eine große Zahl von Menschen ohne eine echte Klärung ihrer Identität nach Deutschland einreisen konnte. Häufig könne man nicht wissen, wer aus welchen Gründen nach Deutschland gekommen ist, betonte Verfassungsschutz-Chef Hans -Georg Maaßen. Zwar würden bei der Registrierung von Asylbewerbern auch Fahndungsdatenbanken abgefragt, doch beinhalteten die eben nur Namen. Wenn jemand aber ohne Papiere oder mit gefälschten Dokumenten komme, können in den Systemen keine Treffer erzielt werden. Hinzu komme, dass die meisten Anhänger des IS den europäischen Sicherheitsbehörden ohnehin nicht namentlich bekannt und daher auch nicht in den Datenbanken notiert seien.

 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der neuen Ausgabe der Zur Zeit, entweder hier als E-Paper, oder ab Freitag in Ihrem Kiosk

 

[Bild: ZZ-Archiv]