Viktor Orbán ist der „Mann des Jahres“ – zumindest, wenn es nach dem Krynica-Wirtschaftsforum geht. Denn in der südpolnischen Stadt Krynica-Zdroj erhielt der ungarische Ministerpräsident eine entsprechende Auszeichnung aus den Händen seiner polnischen Amtskollegin Beata Szydlo. Orbán wurde die Auszeichnung für seinen Einfluss auf die Gestaltung der Politik Mitteleuropas verliehen.

In seiner Dankesrede sagte Orbán, die aus Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei bestehende Visegrad-Gruppe sollte nach dem Brexit zu seiner „treibenden Kraft“ für Reformen innerhalb der EU werden: „Ich bin der Meinung, dass die Visegrad-Gruppe ein ausgezeichnetes Forum ist, in dem Ideen keimen und dann auf die europäische Ebene gesetzt werden können.“

Des Weiteren forderte der nationalkonservative Regierungschef eine „kulturelle Konterrevolution“ gegen den linken Zeitgeist und das Diktat der politischen Korrektheit. So warnte Orbán, der schier endlose Zustrom von Einwanderern werde zur „Auslöschung der historischen Identitäten“ der europäischen Völker führen. Denn jene, die nach Europa einwandern, hätten viel stärkere Identitäten als die Europäer und schaffen zunehmend isolierte „kulturelle Inseln“, wie Orbán das in Westeuropa weitverbreitete Phänomen islamischer Parallel- und Gegengesellschaften umschrieb.

Umgekehrt hob Ungarns Ministerpräsident die Notwendigkeit hervor, dass die EU-Mitglieder mehr zur Bewahrung ihrer nationalen und religiösen Identitäten unternehmen müssten. Zudem ist er der Überzeugung, dass keine sogenannte europäische Identität in der Lage sein werde, die nationalen Identitäten zu ersetzen. Vielmehr seien es die nationalen Identitäten, die Europa stärken: „Je stärker die nationalen Identitäten sind, desto stärker können wir in den kommenden Jahren sein.“ Diesbezüglich betonte Orbán, dass „Volk und Christentum“ Schlüsselwerte und unverzichtbare Teile der europäischen Kultur und Identitäten sind. „Nur jene Völker, die eine geschichtliche, religiöse und nationale Identität haben, werden überleben und stark sein“, ist Orbán überzeugt.

 

[Text: B. T.; Bild: Európai Bizottság/ Végel Dániel]