Schon seit längerem wussten alle Meinungsforscher, dass der französische Front National in der Wählergunst massiv zulegt. Und dennoch war es dann ein Schock, als er bei den jüngsten Regionalwahlen zur stärksten Partei wurde. Ähnlich könnte es in Österreich sein, wo die Meinungsumfragen Heinz-Christian Straches FPÖ seit Jahr und Tag als stärkste Partei ausweisen. Und wenn er dann bei den Nationalsratswahlen des Jahres 2018 – wenn denn die rot-schwarze Restkoalition solange hält – tatsächlich durchmarschiert, wird es dennoch für die heimische politische Landschaft und die internationalen Beobachter ein zuvor nicht geglaubter Erdrutsch sein.

Dass indessen Viktor Orban in Ungarn seine Zweidrittelmehrheit hält, gefährdet allenfalls von der Rechtsaußen-Partei Jobbik, dass im polnischen Parlament neben der Kaczynski-Partei keine linke Kraft mehr vertreten ist, dass die dänische Regierung unter Druck der „rechtspopulistischen“ Dänischen Volkspartei deutlich nach rechts marschiert, dass in England die United Kingdom Independence Party des Nigel Farage Camerons stärkster Rivale geworden ist, dass in Italien die Lega Nord des Matteo Salvini alle Umfragen dominiert und dass sogar in der Bundesrepublik die Alternative für Deutschland trotz Spaltung und Diffamierung zweifellos mit einer gewissen Stärke in den nächsten Bundestag einziehen dürfte, all das zeigt, dass der jüngste Schock für Frankreich zur europäischen Normalität werden könnte.

Die gängigen Erklärungsmuster dafür kennen wir: In krisenhaften Zeiten würden die Populisten mit ihren simplifizierenden Erklärungsmustern eben reüssieren. Durch Hetze Ängste zu schüren, würde eben Wählerstimmen bringen. Lösungskonzepte hätten sie ohnedies keine, die neuen „Verführer“ von rechts.

Ob es wirklich so einfach ist? Könnte es nicht vielmehr so sein, dass der ungeheure Druck der ökonomischen und kulturellen Globalisierung, gepaart mit permanenter Wirtschaftskrise und dem drohenden Zusammenbruch der gewachsenen Sozialsysteme sowie dem zusätzlich ins Unerträgliche gesteigerten demographischen Druck einer millionenfachen Massenzuwanderung, dass all diese Entwicklungen im kollektiven Unterbewusstsein der europäischen Völker immer dramatischer werdende Überlebensängste angestaut haben? Auf der anderen Seite gibt es massenhafte Verarmung an den sozialen Rändern und ethnisch-kulturelle Verdrängungsprozesse, die ihr Äquivalent im Wohnungs- und Arbeitsmarkt finden.

 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema in der neuen Ausgabe der Zur Zeit, entweder hier als E-Paper, oder ab Freitag in Ihrem Kiosk.

 

 

Bild: Rémi Noyon/flickr