Am 20. Mai endete in Estland das NATO-Manöver „Spring Storm“ („Frühjahrssturm“). An der Militärübung in dem baltischen Staat nahmen – rund 150 Kilometer von der russischen Grenze entfernt – 6.ooo Soldaten aus zehn NATO-Staaten, darunter die USA, Großbritannien und Deutschland, teil. Aber das ist nicht die einzige Provokation des Nordatlantikpaktes und damit der USA gegenüber Russland: Das Pentagon fordert zur Verstärkung der militärischen Aktivitäten an der Westgrenze Russlands eine Aufstockung des Budgets von derzeit 789 Millionen Dollar auf 3,4 Milliarden Dollar im Finanzjahr 2017.

Darüber hinaus arbeitet Washington daran, auch das neutrale Finnland ins NATO-Boot zu holen. Andrei Akulow von der russischen Denkfabrik Strategic Culture Foundation weist darauf hin, dass für 2017 gemeinsame Übungen der US Air Force mit der finnischen Luftwaffe geplant sind. Dies sei „ein weiterer Schritt, um Finnland enger an die NATO zu binden“. Sollte Finnland tatsächlich dem Bündnis beitreten, wäre laut einem von der finnischen Regierung in Auftrag gegebenem Expertenbericht seitens des russischen Nachbarn mit „starken politischen und wirtschaftlichen Gegenreaktionen“, die „schwer vorherzusagen sind, zu rechnen, und zwar insbesondere in der Beitrittsphase. Einer Umfrage des staatlichen Fernsehsenders YLE zufolge lehnen 55 Prozent der Finnen einen NATO-Beitritt ab und nur 22 Prozent befürworten ihn.

Während USA und NATO den russischen Bären bei jeder sich bietenden Gelegenheit reizen, wird Russland, das sich verständlicherweise bedroht fühlt, vorgeworfen, „aggressives Verhalten“ an den Tag zu legen und seine Nachbarn „einzuschüchtern“. Aufgrund der westlichen Provokationen kündigte im Jänner der Kommandant der russischen Landstreitkräfte, General Oleg Saljukow, die Gründung neuer Divisionen in den westlichen und zentralen Regionen noch in diesem Jahr an: „Die Gründung dieser Divisionen ist eine Maßnahme, um auf die zunehmende Intensität der Übungen unter den NATO-Mitgliedern, die kürzlich zu beobachten waren, zu antworten.“ Und Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte in diesem Zusammenhang der schwedischen Zeitung „Dagens Nyheter“: „Die militärische Infrastruktur der NATO bewegt sich langsam immer näher an Russland. Aber wenn Russland Maßnahmen zur Gewährleistung seiner Sicherheit ergreift, wird uns gesagt, dass Russland gefährliche Manöver nahe der NATO-Grenzen hält. Tatsache ist aber, dass die NATO immer enger an Russland heranrückt und nicht umgekehrt“.

 

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[Bild: Maj. Robert Carver, North Carolina National Guard Public Affairs]