Bei den seit bald einem Jahr in der Ostukraine tobenden Kämpfen sind bisher rund 5.000 Menschen gestorben. Eine Rückkehr zur Normalität scheitert daran, dass bei den Friedensgesprächen in der weißrussischen Hauptstadt Minsk die Ukraine, die auf die Unterstützung der USA zählen kann, nicht bereit ist, von ihren Maximalforderungen abzurücken. Angesichts dieser wenig hoffnungsvollen Lage meldete sich nun Michail Gorbatschow zu Wort: „Einfach gesagt haben die EU und die USA fast in einen neuen Kalten Krieg geführt, sie versuchen offen, die Idee des Triumphalismus durchzusetzen. Was kommt als nächstes? Unglücklicherweise kann ich mir nicht sicher sein, dass der Kalte Krieg nicht zu einem ‚heißen‘ wird. Ich fürchte, die USA werden das riskieren.“

Zudem kritisierte der letzte Präsident der Sowjetunion, daß die USA und die EU weiter an der Sanktionenschraube gegen Russland drehen. „Alles, was wir nun von den USA und der EU hören, sind Sanktionen gegen Russland. Sind sie vollkommen verrückt? Die USA haben sich vollkommen im Dschungel verirrt und wollen uns dort mit hineinziehen“, sagte Gorbatschow.

Angesichts der Diskussion in Washington, Waffen an die Ukraine zu liefern, warnte der frühere US-Außenminister Henry Kissinger vor den möglichen Folgen einer offenen militärischen Unterstützung Kiews. Bei einer Anhörung im Streitkräfte-Ausschuss des US-Senats sagte er, er sei „unruhig wegen des beginnendes Prozesses eines militärischen Engagements (in der Ukraine) ohne zu wissen, wohin uns das führt und was alles auf uns zukommt“. Und der 91jährige, der als Hohepriester des US-amerikanischen Weltmachtstrebens gilt, fügte hinzu: „Ich glaube, wir sollten zusätzliche Schritte vermeiden, bevor wir wissen, wie weit wir gehen wollen. Das Gebiet (die umkämpften Gebiete in der Ostukraine, Anm.) ist ein von Moskau 300 Meilen entferntes Territorium und hat deshalb besondere Sicherheitsauswirkungen.“

 

B. T.

 

 

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