Seit wenigen Jahren hat sich bei uns in Österreich das Phänomen des „Shitstorms“ breit gemacht, gemeint ist damit eine sehr bequeme Variante des Volksaufstandes gegen einen Umstand der für den Otto-Normal-Verbraucher störend ist.

Bequem deshalb, braucht man dafür ja nur einen Computer, zumindest einen Facebookzugang und eine gesalzene Ausdrucksweiße damit der „Geshitstormte“ auch merkt, wie wütend man ist. Aber Vorsicht, vom legitimen „Shitstorm“ ist es nur ein kleiner Schritt zur bösen „Hasstirade“ und damit de facto zum Rechtsradikalen!

Gibt es einen „Shitstorm“ weil irgendeine Marke „N****küsse“ anstatt Schokoküsse angeboten hat, oder weil gar eine Lokalbetreiberin ein wild schmusendes Pärchen aus ihrem Kaffeehaus geworfen hat – Aufruhr gab es deshalb weil es sich um eine lesbisches Pärchen gehandelt hat –, dann ist ein „Shitstorm“ angebracht, sogar ein Muss und ein klares Zeichen der viel gelobten Zivilgesellschaft gegen Rassismus, Hass und für Vielfalt. Auch ist es bei so einem „legitimen Shitstorm“ einerlei wie tief die Beleidigungen und Beschimpfungen sind, so lange diese für Vielfalt und gegen Hass und Rassismus usw. sind, ist das egal. Am Ende feiern sich die linken Systemmedien ab und jubeln über den Sieg der Zivilgesellschaft über ein böses und menschenverachtendes Kaffeehaus oder eine böse Firma. Quasi als kleine Revolte, damit sich auch jeder Gutmensch auf die Schulter klopfen kann und sagen kann ich bin gegen einen Missstand in unserer Gesellschaft aufgestanden…

Aber genug über den „Shitstorm“, nun zur Hasstirade und den damit einhergehenden Hasspostings am aktuellen Beispiel SPAR: Die österreichische Lebensmittelkette hat in den letzten Wochen freudig bekannt gegeben, dass es nun auch Halal-gerechtes Fleisch gibt, das gefiel Otto-Normal-Verbraucher ganz und gar nicht und so musste der Nahversorger einen „Shitstorm“ – nein, halt eine Hasstirade – über sich ergehen lassen.

Von Vorwürfen, dass Schächtung Tierquälerei sei, SPAR die Islamisierung fördere, bis hin, dass die Lebensmittelkette sogar den IS (Islamischen Staat) unterstützt, gab es recht viel an Vorwürfen zu lesen. Formuliert waren die „Postings“ von sachlich bis richtig derb, so wie der Volksmund eben tickt.

Nach der Empörungswelle gab SPAR-Österreich nun zerknirscht auf Facebook bekannt: „SPAR beendet aufgrund der (unbegründeten!) Vorwürfe und der überhitzten Facebook-Diskussion den Wiener Verkaufstest von Halal-Fleisch. Wir halten fest, dass es niemals Fleisch aus Schächtungen bei SPAR gegeben hat. Die verwendete Halal-Zertifizierung hat immer die Betäubung der Tiere vor der Schlachtung beinhaltet. Einziger Unterschied zu allen anderen Schlachtungen nach österreichischen Richtlinien war ein Gebet, das während der Schlachtung gesprochen wurde. Als Nahversorger für alle Bevölkerungsgruppen in Österreich sind wir traurig und schockiert über den Tonfall der Diskussionen, ziehen aber unsere Konsequenzen.“

Der geneigte Leser dürfte schon den unterschied erkennen: Mussten sich die Hersteller der „N****küsse“ lang und breit entschuldigen und rechtfertigen, stellt sich Spar-Österreich als Opfer von bösen Hetzern dar.

Darf man nun hier wiedermal von einem „korrigierenden Eingriff der Zivilgesellschaft“ sprechen? Nein, diesmal liest man nichts von einem „Sieg der Zivilgesellschaft“ in den linken Medien. Ganz im Gegenteil, betroffen schwadronieren die Zeitungen darüber, dass die Lebensmittelkette traurigerweise dem „Druck von Rechts“ nachgegeben hat, und wie furchtbar die Hasstiraden und „Hasspostings“ der Hetzer waren. Manch linker Künstler geht sogar noch weiter und will nun SPAR boykottieren: „Wenn sich SPAR von Nazis unter Druck setzen lässt, dann wird es wohl Zeit für den Gegendruck“, so etwa Schriftsteller David Schalko.

 

 

Text: W.-R. M.
Bild: Andreas Rodler/flickr